Schlüpfrigkeiten im Dienst sind zu vermeiden. Rainer Magnussen, 52, Brille, Schnauzer, wenig Haare, weiß schließlich, was sich gehört. Seit 24 Jahren ist er Pharmareferent des Bayer-Konzerns. Seit einem Jahr bewirbt er das Potenzmittel Levitra, stets unaufdringlich und sachlich. Wo andere sagen, dass einer keinen hochkriegt, spricht Magnussen diskret von ED – "erektiler Dysfunktion".

Jeden Tag fährt er in seinem C-Klasse-Mercedes zu Urologen, Internisten und Allgemeinärzten in Lübeck und Umgebung und erklärt ihnen, warum Levitra glücklich macht. Der Erste auf der Liste heute ist der Allgemeinmediziner Hans Haß in Lübeck-Schlutup. Rainer Magnussen reicht der Arzthelferin seine Visitenkarte und geht ins Wartezimmer. Er grüßt freundlich, als er hereinkommt, er grüßt freundlich, wenn jemand das Zimmer betritt.

Zwei Drittel seiner Arbeitszeit sitzt Magnussen in Wartezimmern. Die Luft ist meist schlecht; an der Wand hängt van Goghs Café in Arles oder ein selbst fotografierter Sonnenuntergang, manchmal auch nur ein Poster zur Praxisgebühr mit der Aufschrift: "Wir konnten es nicht verhindern".

Obwohl er seinen Besuch angekündigt hat, wird Magnussen erst nach einer Stunde ins Sprechzimmer gerufen. Der Pharmavertreter und der Arzt kennen sich seit Jahren. "Du lachst dich tot", sagt Hans Haß. "Viele Patienten schicken ihre Frauen, um Levitra zu besorgen. Meine Frau kann das besser erzählen." Auftritt Frau Haß, Arzthelferin ihres Mannes: Sie berichtet von einem Patienten, bei dem nichts mehr ging, "ein richtiger Jammerlappen", und von dessen Gattin, "die hatte die Mundwinkel runterhängen bis zu den Brustwarzen". Dank Levitra haben sich nicht nur die Mundwinkel wieder aufgerichtet.

Solche Geschichten freuen Rainer Magnussen. Die Rückmeldung der Ärzte ist ihm wichtig. Bayer will wissen, wie Levitra bei den Patienten ankommt. Im März 2003 kam die orangefarbene Pille auf den Markt – zum Ärger des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer, der die Mutter aller Muntermacher herstellt, das hellblaue Viagra. Beide Produkte funktionieren ähnlich: Sie bewirken, dass der Penis stärker durchblutet wird. "Aber", sagt Rainer Magnussen und hört sich an wie der Sprecher in einem Werbesport, "Levitra verschafft die beste Standfestigkeit."

Magnussen präsentiert dem Ehepaar Haß noch schnell eine neue Studie: Patienten, bei denen Viagra nicht angeschlagen hat, bekamen Levitra verabreicht – und, man denkt es sich schon, bei 46 Prozent von ihnen klappt es wieder. "Das, finde ich, ist ein hervorragendes Ergebnis", sagt Magnussen mit Stolz in der Stimme. Haß murmelt ein anerkennendes "Jaja".

Ärzte, die viel verschreiben, belohnt der Vertreter mit Boxershorts