Feldwebel oder Fitnesskauffrau – das sind meine Alternativen. Dem elektronischen Selbstfindungstest des Arbeitsamtes zufolge entsprechen diese Berufe genau meinen Interessen. Was recht erstaunlich ist. Es stimmt zwar, dass ich Sport treiben und Teams anführen will. Aber ich möchte weder Kommandos geben noch Hanteln bestellen.

Irgendwie war es ja auch naiv, zu glauben, dass ich per Mausklick den perfekten Beruf finde. Kann ich auf Freunde und Familie hören? Soll ich mich auf meinen Bauch verlassen? Vielleicht schätzen mich andere nur danach ein, was ich bis jetzt getan und geleistet habe. Was, wenn ich unentdeckte Talente habe? Bevor ich mich falsch entscheide, hole ich mir lieber Rat von Profis.

Studienberatung Uni Hamburg: Der Raum ist hoch und dunkel. Hinter einem wuchtigen Schreibtisch sitzt mein Berater. "Keine Panik, lassen Sie sich Zeit. Während der ersten drei Semester können Sie schnuppern und Ihr Fach dann noch mal umlegen", sagt er. "Wenn Sie sich jetzt für einen Studiengang entscheiden, ist das noch längst nicht endgültig." Also, so wundert es mich nicht, dass Tausende Langzeitstudenten rumlaufen. "Ich möchte nicht zwei Jahre umsonst studieren", wende ich ein. "Ich möchte jetzt wissen, welches Studium für mich das Richtige ist."

"Für eine individuelle Beratung fehlen uns die Zeit und das Geld. Aber geben Sie doch mal bei Google ‚Studienberatung‘ ein. Da kommen tolle Adressen von privaten Beratern raus. Das kostet natürlich, aber das ist es Ihnen sicherlich wert." Er schaut mich erwartungsfroh an. Ich muss lachen und erzähle vom Ergebnis meines elektronischen Selbstfindungstests im Arbeitsamt: Feldwebel oder Fitnesskaufrau. Jetzt lacht er auch. Dann schnippt er mit den Fingern: "Ich hab’s! Das Arbeitsamt. Dort können Sie einen Termin zu einem persönlichem Beratungsgespräch ausmachen und die können sich viel Zeit für Sie nehmen."

Also zurück zum Arbeitsamt. Ich muss in den fünften Stock. Im vierten ist die Abteilung für die arbeitslosen Akademiker. Die Jung-Arbeitslosen, die neben mir die Treppe hochlaufen, haben bestimmt alle das Falsche studiert. "Was muss ich studieren, wenn ich danach nicht im vierten Stock sitzen möchte?", frage ich den Berater. Er lacht und sagt: "Wenn Sie sich so einen Stress machen, werden Sie mit jedem Studium scheitern. Sie müssen sich fragen, was Ihnen wichtig ist und was Ihnen Spaß macht."

Ein "Was ist mir wichtig?"-Zettel soll mir helfen

"Aber können Sie nicht ein Interessenprofil mit mir erarbeiten, um herauszufinden, was am besten zu mir passt?", frage ich. "Nein, ich kenne Sie ja nicht. Ich würde mir nie anmaßen, über Ihre Zukunft zu entscheiden. Ich kann Ihnen nur helfen, selbst eine Entscheidung zu finden." Der Berater gibt mir eine Anleitung: "Zuerst machen Sie sich einen ‚Was ist mir wichtig?‘-Zettel. Darauf schreiben Sie alle Tätigkeiten und Anforderungen, die in Ihrem Beruf enthalten sein sollten. Bringen Sie die Kriterien in eine Reihenfolge, und streichen Sie, was am wenigsten wichtig ist. Was übrig bleibt, entspricht Ihrem Studienwunsch."