Sabine Faber, 48, Berlin

Wer erst mal drin ist im Taxigeschäft, der kommt so schnell nicht wieder raus. Aber mir macht das Fahren ja auch Spaß. Angefangen habe ich damit 1983, ganz klassisch, um mir mein Studium zu finanzieren.

Nach einer Ausbildung zur Erzieherin hatte ich das Fachabi nachgemacht und dann auf dem zweiten Bildungsweg Sozialpädagogik studiert. Das Taxifahren lief zunächst nebenher, vor allem am Wochenende. Als ich mein Diplom schließlich in den Händen hielt, hätte ich natürlich gern einen entsprechenden Job gefunden. In der Sozialpädagogik sah es aber schlecht aus, damals wie heute. Mehr als ein paar kurze Einsätze, etwa in der Einzelbetreuung von Behinderten, ergaben sich nicht.

Also blieb ich beim Taxi und fuhr nun nicht mehr nebenbei, sondern jede Nacht. Dabei erlebt man so einiges. Ich fand das so spannend, dass ich begann, das eine oder andere Erlebnis zu notieren. Als meine Geschichten irgendwann im Taximagazin veröffentlicht wurden, war ich richtig stolz. Eigentlich war ich zu dieser Zeit ganz zufrieden. Aber dann verliebte ich mich in einen Holländer.

Ich machte mich mit Sack und Pack auf in die Niederlande. Mein Taxi ließ ich zurück. In Holland hatte ich die Zeit und die Kraft, vielleicht auch den nötigen Abstand zum Taximilieu, um mich komplett dem Schreiben zu widmen. Entstanden ist dabei in einem Jahr mein Taxiroman Ach, ne Dame. Danach veröffentlichte ich noch einen Band mit Erzählungen und einen weiteren Roman. Alles in einem kleinen Verlag, viel Geld hat das natürlich nicht gebracht. Und als nach fünf Jahren die Liebe vorbei war und ich Holland den Rücken kehrte, wartete in Berlin wieder mein Taxi auf mich.

Im Moment schreibe ich kaum noch, mir fehlt ein bisschen die Kraft dazu – und die Zeit. Zehn bis elf Stunden bin ich täglich unterwegs. Mit geht’s wie vielen Taxifahrern: viel Einsatz für wenig Geld, relative Freiheit gegen Hungerlohn. Denn reich wird man nicht. Ich bekomme rund 800 Euro netto im Monat raus. Natürlich würde ich gern einen Job haben, der mehr dem entspricht, was ich studiert habe, in dem ich mehr verdienen würde. Ich hab es ja auch immer mal wieder probiert. Aber dann flatterte regelmäßig ein großer brauner Umschlag mit der Absage ins Haus. Das ist frustrierend. Andererseits: Hätte ich keinen Spaß am Taxifahren, dann würde ich mich vielleicht auch intensiver um etwas anderes kümmern. Aber ich fahre gern.