Herr Ajami mag ein ausgewiesener Kenner der arabischen Welt sein. Was Europa betrifft, offenbart er mit diesem Artikel seine Unkenntnis. Was er als europäischen Antiamerikanismus zu erkennen glaubt, ist nicht mehr als eine von amerikanischer Politik abweichende Ansicht darüber, wie einige Probleme der internationalen Staatengemeinschaft am besten zu lösen sind.

Würde er den Amerikanern Antieuropäismus vorwerfen, weil sie das Kyoto-Protokoll und den internationalen Strafgerichtshof ablehnen? Die meisten europäischen Bevölkerungen und immer mehr sie vertretende Regierungen sind der Ansicht, dass man islamistisch motivierten Terrorismus nicht mit Bomben auf Bagdad und rechtsfreien Räumen in Guantánamo bekämpfen kann, und werden tagtäglich darin bestätigt.

Das hat nichts mit falscher "Kumpanei" mit den Völkern des Islams zu tun oder der Hoffnung, durch Wohlverhalten vom Terrorismus verschont zu bleiben, sondern ganz allein mit der Einsicht, dass die gewaltlose Förderung von Bildung, Modernisierung und Wohlstand in der Dritten Welt und eine möglichst gerechte Lösung noch bestehender Konflikte wohl eher dem Terror den Nährboden entziehen werden.

Dr. Hanns-Peter Steier Stuttgart