Jetzt soll es also die "erstarrte Religion" des Islams sein, die als Wurzel aller Übel gebrandmarkt wird? Der Islam sei schuld daran, dass die Analphabetenrate so hoch sei, dass Frauen keine Schulbildung erlangen und dass die arabischen Staaten so unterentwickelt sind.

Einige Jahrhunderte vorher allerdings war es der Islam, der für große wissenschaftliche Errungenschaften sorgte und die arabischen Staaten eine Blütezeit erleben ließ, als in Europa noch tiefstes Mittelalter herrschte und 95 Prozent der europäischen Bevölkerung Analphabeten waren. Damals hielten sich die Muslime noch an die islamische Lehre. Denn in über 850 Versen des Korans wird der Leser ermahnt, die Natur zu studieren, nachzudenken und seinen Verstand zu gebrauchen - das ist fast ein Achtel des Buches. Nach Wissen zu streben ist einem Ausspruch des Propheten zufolge sogar Pflicht für Mann und Frau (Ibn Mâjah)!

Ein anderer Ausspruch (Hadith) lautet folgendermaßen: "Die Tinte des Gelehrten ist wertvoller als das Blut des Märtyrers." Es liegt also sicher nicht an der Lehre des Islams, wenn machtgeile, skrupellose und selbstgefällige Mullahs die Religion des Islams für ihre eigenen Zwecken instrumentalisieren und die ignorante Masse für dumm verkaufen. Man sollte immer zwischen der Lehre des Islams und ihren pervertierten Auswüchsen unterscheiden.

Masroor Ahmad, Frankfurt