Der Fortschritt kam inkognito von Honda in Offenbach zur ZEIT nach Hamburg. Trotz einer Reise durch halb Deutschland war dem Fahrer einer Überführungsfirma nichts Ungewöhnliches am Civic IMA aufgefallen. Auf die Frage bei der Übergabe, ob beim Fahren des Hybriden Besonderes zu beachten sei, reagierte er verdutzt: "Das ist ein Hybrid? Hab gar nix gemerkt. Läuft ganz normal."

Recht hat er. Der Civic IMA fällt vor allem durch eines auf: seine Unauffälligkeit.

Kompliment an die Honda-Ingenieure. Sie haben die Hochzeit von Benzin- und Elektromotor zum Hybridantrieb so geschickt vollzogen, dass die meisten davon nichts sehen, nichts hören, nichts spüren. Das schont die Nerven. Da Autofahren viel mit Psychologie zu tun hat und Stress das Immunsystem unterdrückt, ergibt die psychoneuroimmunologische Logik zwingend: Hybrid stärkt das Immunsystem. Alles klar?

Der Witz des Autos heißt IMA, integrierte Motor-Assistenz. Sie sitzt versteckt zwischen dem Getriebe und dem leise säuselnden 1,3-Liter-Benzinmotor. Dessen Leistung (61 kW) peppt IMA bei Bedarf mild auf (um weitere 6,5 kW) durch ein pfiffig gesteuertes Elektroaggregat. Dieses bringt nicht nur Power an die Räder, sondern holt sie dort auch ab: Geht der Fahrer vom Gas, wirkt IMA als Dynamo, verwandelt den Schwung des Autos in Strom und speist damit eine Hochleistungsbatterie. Gibt der Fahrer erneut Gas, dann fließt der Strom zurück und treibt über IMA den Civic an. Das Doppelherz aus Benzin- und "mildem" Elektromotor wird "milder Hybrid" genannt. Noch spotten Autobosse wie Bernd Pischetsrieder über Hybride und preisen die deutsche Dieselpower. Rußschwarz-Rot-Gold. Doch schon in wenigen Jahren könnten Dieselfans kleinlaut hinter Hybriden von Honda oder Toyota herfahren (siehe den Prius-Test, ZEIT Nr. 18/04). Warum?

Elektro- ist smarter als Verbrennungstechnik. Die Entgiftung stinkender Otto- und Dieselmotoren gelang nur dank elektrisch gesteuerten Motormanagements. Die weitere Elektrifizierung des Autos ist unaufhaltsam. Seit Jahren versprechen die Hersteller höhere Bordspannung (42 Volt) und mehr elektrische Leistung. Doch sie verkaufen lieber mehr PS als mehr Volt. Inzwischen verursachen leere Batterien die meisten Pannen.

Willkommen in der Zukunft: Der Civic IMA hat eine 144-Volt-Batterie, versteckt in der Rücksitzbank. Sie dient quasi als Zusatztank, wird ständig beim Verzögern geladen und beim Beschleunigen geleert. Stop and go kennzeichnen zunehmend das Fahren, im Stau wie in der Stadt. Hier hilft IMA: speichert Schwung, fördert Schwung, spart Benzin, schont Umwelt und Geldbeutel.

IMA dient obendrein auch als Anlasser (Starter). Als "Startergenerator", wie ihn Techniker auch nennen, ermöglicht er weitere Spartricks: Bei Stillstand, an der Ampel oder im Stau, geht der Motor aus. Während ringsum Motoren brabbeln, herrscht im Civic Kirchenstille. Zeit zum Entspannen. Das stärkt das Immunsystem.

Ruhig geht es weiter: Beim Einlegen des ersten Ganges weckt IMA automatisch den Motor. Ganz leise. Genauso unauffällig hilft IMA beim Beschleunigen. Nur eine Anzeige in der Armatur verrät den Stromverbrauch. Geht der Fuß vom Gas, signalisiert ein grünes Leuchtband: IMA lädt die Batterie. Mit so viel stiller Intelligenz zu gleiten macht Spaß.