Ponary, ein kleiner Ort, zehn Kilometer südlich von der litauischen Hauptstadt Vilnius, war bis Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel. Doch nach der Besetzung Litauens durch die deutsche Wehrmacht Ende Juni 1941 wurde er zum Inbegriff des Schreckens. In einem nahe dem Orte gelegenen Waldgebiet wurden zwischen Juli 1941 und Juli 1944 insgesamt fast 100000 Menschen ermordet, darunter allein 70000 Juden aus Vilnius und Umgebung sowie zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene und polnische Widerstandskämpfer. Noch unter sowjetischer Herrschaft waren hier seit Herbst 1940 riesige Gruben für eine geplante Heizöl-Tankanlage ausgehoben worden; sie dienten nun den neuen Herren als Exekutionsstätte. Die Opfer wurden in Gruppen an die Gruben herangeführt und dort von deutschen Todesschwadronen und ihren litauischen Kollaborateuren, Mitgliedern nationalistischer, paramilitärischer Freiwilligenverbände, erschossen.