Gartenmöbel sind unter allen Möbeln die geeignetsten Statussymbole: Sie verstecken sich nicht hinter Häusermauern wie Bücherregale und Bettgestelle, sondern sind auf Terrassen oder Balkonen weithin sichtbar – und eindeutiger noch ihrem Besitzer zuzuordnen als am Straßenrand parkende Autos. Darum haben Gartenstühle anders als andere Möbel kaum die Chance, richtig alt zu werden: Bereits nach ein, zwei Jahren tauschen Besitzer ihre Gartenmöbel aus, auch dann, wenn sie vor kurzem erst einen Stuhl aus besonders robustem Polyirgendwas gekauft haben. Die Möbelbranche klagt, nichts verkaufe sich – außer Gartenmöbel.

Schon die Gartenmoden der vergangenen Jahre waren wenig glücklich: Partyzelte und Plastikstapelstühle haben unsere Landschaften verschandelt. Und kaum scheinen die überwunden, verschafft sich der Holzstuhl aus Teak oder Eukalyptus Platz. Im gleichen Maße, wie das Fällen von Urwaldbäumen dazu führt, dass Tierarten für immer aus dem Urwald verschwinden, vernichtet das Holz hierzulande die Artenvielfalt der Gartenmöbel. Kaum ein Warenhaus, das keine Stühle aus Südostasien verkauft: Strauss, Praktiker, Butlers, Obi; die Kunden der Drogerie Rossmann warten sogar zehn Werktage, bis sie zwei Teakholzstühle und einen Tisch für 222 Euro erhalten. Der Verband des deutschen Möbelfachhandels bestätigt einen Teak-Tick nicht erahnten Ausmaßes. Die deutschen Terrassen sind zu Ödnissen geworden, in denen der Stahlrohrstuhl mit Gummiriemen (der so schöne Muster auf der Haut gemacht hat) oder die Stoffliege kaum noch eine Nische finden.

Als Folge der ersten großen Skandinavien-Welle vor 20 Jahren erlag Deutschland dem Kieferwahnsinn. Heute reisen wir schon mal nach Malaysia, Thailand oder gar Vietnam – und kein Gartenlokal, keine Terrasse, kein Balkon kommt mehr ohne das dunkle Tropenholz aus. Dabei passt der deckchair im colonial style ungefähr so gut zu deutschem Terrassenwaschbeton wie ein Sumatra-Tiger in einen Buche-Fichte-Mischwald.

Vor ein paar Jahren noch kauften sich vor allem wohlhabende Zahnarztfamilien Gartenstühle aus Teakholz, kosteten die oftmals in England hergestellten Stücke gerne mal 10000 Mark oder mehr. Damals war das Holz ebenso teuer wie politisch verpönt. Wenn ein einziger Holzspan aus Amazonien in einem Baumarkt gefunden wurde, dann trafen sich am nächsten Tag Robin Wood, WWF und Greenpeace auf dem Baumarktdach und rollten Bettlaken aus, bemalt mit weinenden Bäumen und Orang-Utans.

Dabei ist Tropenholz heute keineswegs weniger zu verachten – selbst dann nicht, wenn auf der Aufbauanleitung steht, das Holz stamme zu "100 Prozent aus Plantagen". Wenn die Stühle kaum 20 Euro kosten und kein FSC-Siegel tragen, das für Forest Stewardship Council steht, kann man sich ziemlich sicher sein, dass man es sich auf einem Stuhl bequem macht, dessen Holz illegal geschlagen ist. (Oder dass die Plantagenbesitzer Jungs sind, die Regierungen bestechen und Waldarbeiter drangsalieren.)

Das Urwaldholz kommt mit einer solchen Übermacht, dass man sich bald nach einer neuen Gartenmode wird umsehen müssen. Bestimmt wird es ein Gartenmöbel aus heimischem Holz und etwas Schmiedeeisen, das über ein gutes Design verfügt. Es ist auf das Wichtige reduziert, bietet nahezu beliebig vielen Menschen Platz, zur Not kann man sogar darauf nächtigen, und wenn man es nicht mehr sehen kann, lässt es sich ganz flach zusammenklappen: Noch ist die Bierbank, versteckt hinter einem Wald aus Teak, in Baumärkten günsig zu bekommen.