Graugrrr, Schliggedibumpf, Mmmff. Umpa Umpa Umpa, natürlich Barumm Bumm, auch mmmmmm mmmmmmmmmm! Vorlesen ist eine Herausforderung für das gemeine Elternexemplar, besonders wenn es gilt, eine Text-Bild-Mischung von Shel Silverstein und Harry Rowohlt zu intonieren. Der große Silverstein, der im Jahre 1930 von Chicago aus über die Kinderwelt kam, mit drei Millionen verkauften Büchlein allein in Amerika, die er souverän textete und dichtete und malte. Und der lange Rowohlt, der heute an der Alster so grandios übersetzt, dass Silverstein ihm in weiser Vorausschau schon vor 40 Jahren in diesem Buch Lafcadio ein Denkmal setzte: Man siehe Seite 9! Ein Urviech, das sich auf dem Bauch fläzt, gewaltiger Wuschelkopp, etwas triefige Augen. Grande!

Der Löwe auf Seite 9 ist gleichzeitig Lafcadio, Hauptfigur des Buches und, wenn man den Zeichnungen von Silverstein trauen darf, ein wundervoller Typ. Markiert hier das wilde Tier, dort einen platten Bettvorleger, ist mal kuschelig, dann nachdenklich, frech oder ängstlich, kurz: eine Identifikationsfigur für jedes Kind.

So einer lässt sich nicht einfach rumkommandieren, wahlweise von einem Jäger abknallen, sondern dreht den Spieß um: Er schießt zurück. Der Rest ist schnell erzählt: Kauen, kauen, schlucken. Lafcadio lernt nach dieser blutigen Urszene mit einer zähen Beharrlichkeit, wie sie nur Kindern eigen ist, ein Virtuose der Schießkunst zu werden.

Die Welt steht ihm nun offen. Natürlich trifft er dort auf die üblichen Bedenkenträger, die wie graue Erwachsene aussehen und seine Wünsche gewohnheitsmäßig ignorieren – die bringt er mit einem kurzen Graugrrr zur Räson. Silverstein erzählt die Geschichte mit komischen Wiederholungsgirlanden, gut platzierten Pointen und irren Dialogen, die insgesamt auf die Frage zuführen, was das Leben noch zu bieten hat, wenn man hat, was man will: zum Beispiel "mendlich: Arschmallows!"

Nach 23241562 dieser klebrigen Objekte steht eines fest: Dies Buch lässt sich keiner mehr aus der Hand nehmen. Wirklich nein! Graugrrr!