Es sind schon ehrgeizige Geschäftsprinzipien, die die Internet-Firma Google in ihren druckfrischen Börsenprospekt geschrieben hat. "Nichts Böses tun" gehört dazu und auch: "Die Welt besser machen!" Allerdings haben sich die beiden 30-jährigen Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page auch ein Nahziel gesteckt: In den kommenden Monaten wollen sie erst einmal mächtig reich werden - und nebenbei die skandalgeschüttelte Wall Street reformieren.

Der Börsengang ihrer weithin bekannten Internet-Firma - sie hilft mehr als der Hälfte aller Internet-Surfer beim Suchen nach Daten, Dokumenten und Bildern im Netz - soll mindestens 2,7 Milliarden Dollar einbringen. Wenn alles gut geht, werden Brin und Page so zu Milliardären und Google zum Börsenliebling. Ein Déjà-vu aus dem Börsenboom der späten neunziger Jahre, der in einem gewaltigen Crash endete? Nicht ganz. Anders als damals will Google nämlich das Spekulieren mit seinen Aktien eindämmen - und gierigen Finanzhaien an der Wall Street kräftig ins Handwerk pfuschen.

Die Details sind ein wenig kompliziert. Vor einem Börsengang geben Firmen ihre Aktien gewöhnlich großen Investmentbanken in die Hand, die dann einen Preis festsetzen und sich um den Verkauf kümmern. Das Verfahren versprach den Investmentbanken ein goldenes Geschäft, und es bot auch allerlei Möglichkeiten zur Preismanipulation und zu Deals unter der Hand.

Google hingegen will für seinen Börsengang ein Verfahren verwenden, das die kleine Investmentbank WR Hambrecht +Co aus San Francisco seit ein paar Jahren ausprobiert. Die Aktien werden in einer Art Auktion verteilt. Ein paar Wochen vor dem Börsengang dürfen Investoren in spe ihre Gebote für Google-Papiere abgeben - wie viel sie kaufen wollen und zu welchem Preis. Am Stichtag sichtet die Firma dann diese Gebote und rechnet aus, zu welchem Mindestpreis sie alle Aktien loswürde. Dieser Preis wird festgelegt. Alle Bieter, die mehr geboten haben, bekommen Aktien - und die anderen nicht.

Das ist natürlich noch komplizierter als das herkömmliche Verfahren. Doch es hat seine Vorteile: Allzu schnelle Preisexplosionen am ersten Handelstag sollen so vermieden werden, Spekulanten und Day-Trader entmutigt. Allerdings behält sich das Managementteam auch vor, einen niedrigeren Preis als das Auktionsergebnis für seine Aktien zu wählen. Das kann sinnvoll werden, wenn die Anleger allzu euphorisch geboten haben. Es verhindert, dass der Preis nach dem Börsengang gleich wieder fällt. Eine Fülle anderer Notfall- und Korrekturmechanismen ist vorgesehen, zum Beispiel die Rationierung der Aktien, der willkürliche Ausschluss allzu großer oder hoher Gebote und so weiter. Ganz mag sich auf das innovative Verfahren offenbar niemand verlassen. Zumal beim Google-Börsengang zahlreiche unerfahrene Kleinanleger als Bieter auftreten dürften.

So oder so: Den Weltverbesserern von der Westküste lag es am Herzen, dass Wall-Street-Profis bei ihrem Börsengang nicht allzu viel zu sagen bekommen.

Sie halten sich den Einfluss der Shareholder noch mit anderen Tricks vom Leibe: Erhebliche Firmenanteile bleiben in ihrem persönlichen Besitz, und ihre Stimmen zählen bei Aktionärsentscheidungen das Zehnfache "gewöhnlicher" Aktionäre. Der Grund? "Äußerer Druck führt Unternehmen zu oft in Versuchung, langfristige Chancen zu opfern, um vierteljährliche Markterwartungen einzuhalten", schreiben die Firmengründer zu Beginn ihres Prospekts.