Ich gehe davon aus, dass sie wenig Ahnung haben, aber viel Laune", sagt Wenzel Watzke. Er ist Chef eines Lehmbaubetriebs bei Stralsund und seit einigen Wochen auch Chef von Simon und Radek, die bei ihm ihr Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege machen. Die beiden sitzen in Pullis und Arbeitshosen neben ihm am Küchentisch des Ökohauses, in dem sie die Fenster abdichten sollen. Simon aus Grimmen und Radek aus Stettin sind eines der acht deutsch-polnischen Tandems der Jugendbauhütte Stralsund.

In Deutschland gibt es bereits sieben solcher Jugendbauhütten, Stralsund ist die erste, in der Polen und Deutsche zusammenarbeiten. Für den 20 Jahre alten Simon gab das den Ausschlag, sich für das Freiwillige Jahr zu bewerben. "Als ich hörte, dass es deutsch-polnisch sein wird, fand ich das richtig spannend."

Mit Wandverputzen und Steineverpacken hat Simon angefangen, bevor er zum ersten Mal gemauert hat. Auf die Mauer ist er immer noch stolz. Außerdem ist er – noch – Dolmetscher für seinen Kollegen Radek, dem das Arbeitsamt in Stettin das Freiwillige Jahr in der Jugendbauhütte empfohlen hat. Ein Praktikum in Deutschland, so hofft er, hilft ihm später bei der Stellensuche, "und vielleicht kann ich ja auch länger in Deutschland bleiben". Ein bisschen Deutsch kann er schon, sonst zeigt Simon ihm, was zu tun ist, und übersetzt mit Händen und Füßen.

Damit kommen die beiden der Idee von Völkerverständigung ziemlich nahe, die die Träger des Freiwilligen Jahres, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste, bei der Konzeption im Sinn hatten.

"Der Name erinnert an die Bauhütten im Mittelalter", sagt Norbert Heinen, der Geschäftsführer des Vereins Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Damals habe ein Baumeister ganzheitlich alle Aufgaben vom Handwerker bis zum Architekten wahrgenommen, und große Werkstätten hätten als soziale Gemeinschaften zusammengearbeitet.

Das Jahr in der Denkmalpflege ist als Freiwilliges Soziales Jahr anerkannt. Das bedeutet, dass die Teilnehmer ein Taschengeld erhalten und dass sich jeder, unabhängig vom Schulabschluss, für den Job bewerben kann. Die Einsatzstellen reichen vom renovierungsbedürftigen Schloss über Restauratorenwerkstätten bis hin zur Denkmalschutzbehörde. "Die Restauratoren sind die Höhepunkte, und auch die Holzwerkstätten sind sehr begehrt. Nur Behörden sind nicht so beliebt", sagt Babette Christiansen, die Leiterin der Stralsunder Jugendbauhütte. Die Einsatzstellen suchen sich ihre Freiwilligen selber aus.

So wie der Restaurator Reinhard Labs, der im karierten Flanellhemd auf einem Gerüst in der kalten Elmenhorster Dorfkirche steht. Er hat die Erfahrung gemacht, "dass Mädchen fleißiger sind". Ania, 20, und Franziska, 23, stehen mit Mützen und in weißen Overalls hinter ihm und klopfen vorsichtig die alte Fassung von der Gewölbedecke.

"Das ist ein Schweinedreck und Staub, anders als im Atelier", sagt Labs. Dort haben die beiden die Filialtürmchen einer Orgel ausgebessert und vergoldet. Franziska wollte eigentlich Goldschmiedin werden und überlegt jetzt aber, ob sie nicht doch noch zur Restauration umschwenkt. Das nötige Feingefühl bringen die jungen Frauen bereits mit: Franziska hat eine Lehre als Zahntechnikerin gemacht und Ania ein Gymnasium mit der Fachrichtung Architekturdenkmal besucht. Als sie vom Freiwilligen Jahr hörte, hatte sie bereits drei Stellenangebote. Sie hat alle abgelehnt. Sie hofft, mit der praktischen Erfahrung aus Stralsund eine interessantere Stelle zu finden.