Die guten Nachrichten aus den deutschen Konzernzentralen überschlagen sich, beim Unterschreiben von Verträgen mit Chinas Funktionären geben sich die Großmanager den Füllfederhalter in die Hand. Ganz vorn dabei: Siemens-Chef Heinrich von Pierer, VW-Vorsteher Bernd Pischetsrieder, und auch DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp darf endlich mal wieder einen Erfolg feiern. Handys, Kraftwerke, Autos - in China soll kräftig investiert werden.

Die Wirtschaftsverbände und der Kanzler jubeln, schließlich lockt ein riesiger Markt mit 1,3 Milliarden Käufern. Jeder will sich schnell noch einen Anteil an der "Fabrik der Welt" sichern. Warnende Stimmen? Gehen unter.

Dabei reden selbst chinesische Funktionäre schon von konjunktureller Überhitzung - das Finanzsystem scheint dem Aufschwung so wenig gewachsen zu sein wie die Infrastruktur. Ganz abgesehen von dem Gefahrenpotenzial, welches das krasse Wohlstandsgefälle zwischen den boomenden Städten und dem armen Land birgt, wo weitaus die meisten Chinesen leben.

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Südamerika - und dort vor allem Brasilien - als die Wachstumsregion. Die Industrie, vorneweg die Autobauer Daimler und VW, setzte überdimensionierte Werke auf die grüne Wiese. Die Hoffnung trog, die unausgelasteten Fabriken gerieten zu Milliardengräbern.

Natürlich darf deswegen China nicht ignoriert werden. Aber ein Blick in den Rückspiegel, ein sanfter Druck auf die Euphoriebremse könnten das Risiko kalkulierbarer machen.