Der schwarze Sänger singt, der schwarze Gitarrist spielt, die nachgestellten Spielszenen wirken wie Dokumentarfilm, die Originalversion kommt vor der Neuinterpretation, überblendet, ausgeblendet. Wim Wenders ist Blues-Fan, und sein Film The Soul of A Man ist so ehrenwert und anständig, dass man fast vergisst, was der Blues sein könnte. Ain't nobody black can film the Blues?

Es ist der liebevolle Museumsblick der Weißen, der den Blues vor dem Vergessen gerettet hat, der ihn mit tragbaren Aufnahmegeräten dokumentierte, der ihn jetzt unter der Ägide Martin Scorseses in einer sechsteiligen TV-Produktion durch verschiedene Regisseure porträtiert. Wim Wenders, mit dem die Reihe in Deutschland beginnt, wählt Blind Lemon Jefferson, dessen Blues in der Raumfähre Voyager als Zeugnis menschlicher Kultur der Ewigkeit entgegenfliegt, Skip James, dessen überirdische Stimme 30 Jahre vergessen war, bis man sie 1963 wiederentdeckte, und J. B. Lenoir, den ein schwedisch-amerikanisches Ehepaar in den sechziger Jahren filmte. Es ist der schönste Moment des Filmes, diese beiden mit J. B. Lenoir scheu auf dem Sofa sitzen zu sehen, so fern, so nah. Die Schwarzen singen den Blues, um zu leben, die Weißen verehren ihn als Kunst und spielen ihn nach. Nick Cave brüllt, Cassandra Wilson glättet, und Lou Reed lacht. Aber es reicht nicht, mit Gefühl abzubilden, man muss auch etwas zusammendenken. Das fehlt, bei allem Anstand.