Die Auseinandersetzung um den Emissionshandel schwelt im Verborgenen weiter. Zugunsten der Energie Baden-Württemberg (EnBW), der Nummer drei unter den hiesigen Stromversorgern, verlangen jetzt sogar die baden-württembergischen Grünen Nachbesserungen an dem Plan, auf den sich das Bundeskabinett nach heftigem Streit zwischen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Umweltminister Jürgen Trittin Ende März geeinigt hatte. In einem Brief an seinen Parteifreund Trittin beklagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stuttgarter Landtag, Winfried Kretschmann, den "völlig unakzeptablen Wettbewerbsnachteil", den EnBW durch die Zuteilungsregeln erleiden würde - und drängt auf eine Änderung.

Die Grünen fürchten um Arbeitsplätze im Ländle und um den Energiestandort Baden-Württemberg. Grund: Die vom Kabinett beschlossenen Zuteilungsregeln für die Emissionsrechte benachteiligen jene Stromerzeuger, die bisher besonders viel Elektrizität in emissionsfreien Kernkraftwerken herstellen - wie etwa die EnBW.

Tatsächlich ist es weniger lukrativ, stillzulegende Atommeiler durch Kohle- oder Gaskraftwerke zu ersetzen, als Ersatz für alte Kohlekraftwerke zu schaffen. Von dieser "Übertragungsregel" profitiert vor allem RWE, während sich EnBW auf der Verliererseite sieht.

EnBW-Chef Utz Claassen protestierte bereits gegen die "grob wettbewerbsverzerrenden" Regeln und kündigte eine verfassungs- und wettbewerbsrechtliche Prüfung an. Selbst die Grünen treibt die Sorge, EnBW könne als Stromproduzent Deutschland ganz den Rücken kehren. Tatsächlich ist nicht ausgeschlossen, dass wegen der Nachteile beim Emissionshandel die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) die Freude an ihrem 34,5-prozentigen EnBW-Aktienpaket verlieren, der französische Staatskonzern EdF, der bisher ebenfalls 34,5 Prozent der EnBW-Aktien hält, zum Mehrheitseigentümer des Karlsruher Unternehmens wird und fortan in großem Stil den Stromimport nach Deutschland dekretiert.