Ist er nicht wie geschaffen, den Dialog in Gang zu bringen? Zu vermitteln zwischen Freunden und Feinden der grünen Gentechnologie? Als Lobbyist und Umweltschützer beim BUND fing Jens Katzek an, inzwischen vertritt er die Interessen der Saatgut-Industrie. Sein jüngstes Projekt: Rund um Magdeburg will er genmodifizierten Mais in die fruchtbare Erde bringen. Und in diesen Tagen sollen die Körner gesät werden.

Es ist der rechte Ort zur rechten Zeit. Nach jahrelangem Moratorium macht sich die EU-Kommission daran, neue Sorten zu genehmigen. Die Freisetzungsrichtlinie ist im Begriff, auch in Deutschland Gesetzeskraft zu erlangen. Und in Sachsen-Anhalt kann man es gar nicht abwarten. Die Landesregierung hat die Gentechnik als Zukunftsindustrie entdeckt.

Die Begeisterung kommt nicht zufällig. Das Land ist gebeutelt durch den Niedergang von Buna, Leuna, Sket und anderen Ikonen der sozialistischen Schwerindustrie, geschlagen mit der höchsten Arbeitslosenrate bundesweit, dafür aber gesegnet mit Deutschlands besten Böden. Im Windschatten des Harzes, im Humus-Löß-Gemisch der Magdeburger Börde, da, wo vor hundert Jahren der erste Züchterboom losbrach, da sollte nun Jens Katzek eine neue Revolution entfesseln. "Bio Mitteldeutschland GmbH" steht auf seiner Visitenkarte – eine Förderfirma, finanziert von der Industrie, unterstützt vom Wirtschaftsminister.

Ein Erprobungsanbau in großem Stil war geplant und ein gesellschaftlicher Dialog. Gentechnik zum Anfassen, High-Tech-Mais mit Bauernkindern, Kühen und Schmetterlingen drum herum, um den zaudernden deutschen Hausfrauen die Hemmung zu nehmen. Monatelang rührte Katzek die Werbetrommel und setzte auf die Unterstützung der Bauern.

Doch offenbar spielen genau die nun nicht mit. Bis zu 500 Hektar Fläche waren ursprünglich eingeplant, jetzt ist eher von 400 Hektar die Rede oder auch 200 Hektar. Genaueres will Jens Katzek nicht verraten, nicht die Zahl der beteiligten Landwirte, und schon gar nicht deren Namen. "Wegen Greenpeace, das müssen Sie verstehen." Die Umweltschützer haben in der Region schon mal Biogetreide ausgestreut, um Versuche mit genmodifizierten Körnern zu verhindern. "Die Bauern sind stinksauer und verängstigt", sagt Katzek. "Bauern? Welche Bauern?", spottet Heike Moldenhauer, Gen-Tech-Referentin vom Bund für Umwelt- und Naturschutz und in dieser Funktion pikanterweise Katzeks Nachfolgerin. "Das Problem ist doch wohl eher, dass er gar keine Bauern findet", sagt sie.

Und die Landwirte selbst? "Ich wüsste keinen, der mitmacht", sagt Werner Gutzmer, Präsident des Landesbauernverbandes. Ähnliches ist von Kurt-Henning Klamroth vom konkurrierenden Bauernbund zu hören: "Keiner von unseren Mitgliedern." Seit Ende April hat Klamroth seinen Mais im Boden – konventionellen Mais. "Gentechnik kommt mir nicht auf den Hof, das ist amtlich." Aber immerhin kennt er einen, der einen kennt, der sich angeblich beteiligen will. Und dann sagt er, dass bis zu 1000 Euro Prämie pro Hektar geboten worden sein sollen.

Das wiederum bestreitet Funktionär Katzek. "Die Bauern bezahlen das Saatgut ganz normal, und sie tun es, weil sie gutes Saatgut wollen", sagt er. "Unsinn", versetzt Bauer Klamroth. "Die Schädlinge, gegen die dieser Mais immunisiert ist, kommen doch in Sachsen-Anhalt gar nicht vor", sagt er. "Die paar Maiszünsler, die wir hier haben, die kriegen wir locker durch Fruchtfolge weg."

So geht die Debatte nun schon seit Monaten hin und her. Und je länger sie dauert, desto unwahrscheinlicher wird der Durchbruch – allein deshalb, weil die Zeit davonläuft. Die Aussaatperiode für Mais beginnt im April und endet Anfang Mai. Und der Mais, um den es geht, ist eine der wenigen modifizierten Sorten, die bisher überhaupt eine Zulassung besitzen.