DIE ZEIT: Herr Wennemer, die Verlagerung von Arbeit in Billiglohnländer ist eine Ihrer Spezialitäten. Warum wollen Sie jetzt ausgerechnet ein deutsches Unternehmen, Ihren Hamburger Konkurrenten Phoenix, übernehmen?

Manfred WENNEMER: Das Phoenix-Management hat schon mehr in Osteuropa investiert als wir bei unserer vergleichbaren Division ContiTech. Deshalb übernehmen wir mit Phoenix viel mehr Fabriken in Low-Cost-Standorten, als wir heute bei ContiTech haben. Phoenix sitzt zwar in Hamburg, aber von den 10000 Mitarbeitern arbeiten prozentual sehr viel mehr in Ungarn, Rumänien, Indien oder China, als es bei ContiTech der Fall ist. Insofern wollen wir jemanden übernehmen, der uns auf dem Weg, den wir auch für diese Division für richtig halten, ein Stück voraus ist.

ZEIT: Warum betreibt Conti die Verlagerung in Billigstandorte so intensiv?

WENNEMER: Im Grunde haben wir drei Möglichkeiten: Erstens, wir machen gar nichts, weil es einigermaßen läuft. Die zweite Alternative heißt starke Automatisierung. Das ist aber im Allgemeinen zu teuer – und auch dabei reduziere ich natürlich Arbeitsplätze. Oder Sie wählen die dritte Alternative und schaffen Arbeitsplätze in kostengünstigeren Ländern. Das ist betriebswirtschaftlich die richtige Strategie. Volkswirtschaftlich hilft das auch den Menschen in Osteuropa.

ZEIT: Aber je schneller Osteuropa aufholt, desto schneller geht die Verlagerung weiter nach Osten.

WENNEMER: Die Textilindustrie hat es vorgemacht, auch wenn es leichter ist, eine Nähmaschine unter den Arm zu klemmen, als eine Reifenfabrik zu verlagern. Diese Karawane können Sie nicht aufhalten. Erinnern Sie sich an die große Diskussion vor vielen Jahren in Deutschland, dass die nördliche Hälfte der Erde die Südhälfte ausbeutet, indem sie billig Rohstoffe kauft und teure Produkte verkauft. Wir helfen jetzt den Menschen dort, auch wenn wir kein Sozialverein sind.