Liubisa", die Liebliche, nannten Siedler einst das heutige Langenlois, das idyllisch eingebettet in den sanften Hügeln der niederösterreichischen Weinberge liegt. Zwischen den historischen Weinkellern, unweit des barocken Kirchleins, platzierte der US-Baukünstler Steven Holl nun ein architektonisches Ungetüm der Sonderklasse. Das Besucherzentrum für Weininteressierte des New Yorker Stararchitekten präsentiert sich als monolithischer Baukörper aus Schiffsaluminium und Glas. Inmitten von Rebstöcken ragt der um fünf Grad nach Süden geneigte Kubus aus der Erde wie die Kaaba in Mekka. Holl verweist ganz bewusst auf die Metaphorik seines Fremdlings, den eine ähnlich mythologische Aura umgeben soll wie die bis zu 900 Jahre alten Weinkeller in Langenlois. Bei der Fassadengestaltung ließ sich Holl von den verwinkelten Grundrissen der umliegenden Weinkeller inspirieren. Chaotisch angeordnete, schlitzartige Fensteröffnungen schaffen im Inneren ähnliche Raum- und Lichtstimmungen wie in den unterirdischen Stollen. Dem Besucher entgeht vielleicht der Ursprung dieser Formen, dennoch überzeugen die spannungsgeladenen Ein- und Ausblicke. Leider arbeiteten die Ausstellungskuratoren im dazugehörigen Erlebnisbereich unter der Erde mit weniger Feingefühl als Steven Holl. Der disneyeske Weinpfad durch die Kellerwelten hat mit der ambitionierten Architektur wenig zu schaffen. Aber die schert sich auch wenig um die sanften Hügel von Langenlois.