Eine Tabelle aus dem Hause von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement gab jetzt einen Vorgeschmack darauf, mit welchen drastischen Einbußen viele Menschen vom kommenden Jahr an rechnen müssen. Gemeinhin gelten Zahlenkolonnen dieser Art als unpopuläres Augenpulver. Doch diese Auflistung schaffte es vergangene Woche sogar auf die erste Seite von Bild. Sie lieferte einen Ausschnitt der insgesamt 670 Berufe, in denen die Tariflöhne unter sechs Euro in der Stunde liegen.

An der Spitze der Verlierer: eine Friseurin in Thüringen mit 3,18 Euro. Aber auch eine Meisterin, die in einem großen Friseurbetrieb die Verantwortung für 10 weitere Mitarbeiter hat, kann in Sachsen nur mit 5,59 Euro rechnen - brutto, versteht sich. Damit landen etliche der Betroffenen in der Nähe von Sozialhilfe, deren Regelsatz für Alleinstehende im Osten des Landes bei 331 Euro, im Westen bei 345 Euro im Monat liegt.

Wie viele Menschen mit derlei Billiglöhnen auskommen müssen, weiß allerdings niemand genau. Das Wirtschaftsministerium muss bei dieser Frage passen. Und beim Ifo-Institut in München, dessen Chef Professor Hans-Werner Sinn schon längere Zeit fordert, selbst "die geringsten Lohnsätze innerhalb des Niedriglohnsektors" noch zu senken, um sie anschließend staatlich zu subventionieren, verweist man auf die Gewerkschaften. Beim WSI, dem Forschungsinstitut des DGB, weiß man immerhin, dass rund 2,1 Millionen Menschen mit Löhnen unter 1400 Euro leben.

Künftig werden noch sehr viel mehr Menschen ihren Lebensstandard drastisch einschränken müssen. Wenn vom kommenden Jahr an für die Bezieher von Arbeitslosen- und Sozialhilfe die neuen Zumutbarkeitsregeln gelten, werden sie gezwungen sein, Jobs zu akzeptieren, deren Entlohnung um bis zu 30 Prozent unter den Tarifsätzen liegen. Tun sie das nicht, wird ihnen die staatliche Unterstützung, die dann kurz AlgII heißt, gekürzt oder ganz gestrichen.

Rund drei Millionen Menschen sind zunächst davon betroffen. Grundsätzlich aber gelten die neuen Vorschriften nach einer Übergangsregelung für alle, denen es nicht gelingt, innerhalb eines Jahres eine neue Stelle zu finden.

Auch jene, denen gar kein Job vermittelt werden kann, müssen zunächst vorhandenes Vermögen abbauen - selbst Lebensversicherungen, die zur Altersvorsorge gedacht waren, müssen gekündigt werden. Darüber hinaus wird derzeit geprüft, welches Wohngeld als angemessen gilt. Wer mit der zugestandenen Summe künftig seine Miete nicht mehr zahlen kann, erhält sechs Monate Zeit, sich eine billigere Behausung zu suchen.