Darfur, diese an der Grenze zum Tschad gelegene Westprovinz, gehört zu jenen Regionen des Sudans, die am stärksten abgeschottet sind. Und noch nie war der Zugang zu der Gegend so schwierig wie heute, seit die einheimischen afrikanischen Stämme, die in Darfur die Bevölkerungsmehrheit bilden, vor 15 Monaten unter der Flagge der Sudan Liberation Army/Movement (SLA/M) und der Justice and Equality Movement (JEM) zu den Waffen griffen. Sie protestieren gegen den fehlenden staatlichen Schutz für die schwarzafrikanischen Farmer, die immer wieder Opfer von Übergriffen arabischer Nomaden wurden.

Sudanesische Regierungstruppen und die "Janjaweed" genannten arabischen Milizen betreiben in Darfur eine Politik der verbrannten Erde. Sie operieren Hand in Hand und gehen mit wachsender Brutalität vor. "Sie kommen gemeinsam, sie töten gemeinsam, sie gehen gemeinsam", berichtete ein Farmer den Vertretern von Human Rights Watch. Soldaten und Milizangehörige brannten ganze Dörfer nieder, sie haben mehrere hundert nicht-arabischstämmige Zivilisten entführt, vergewaltigt oder getötet und viele hunderttausend vertrieben.

Ein Farmer aus dem Dorf Deleij in der zentral gelegenen Region Wadi Saleh berichtete uns von einem Massaker, das er selbst kurz zuvor als Einziger überlebt hatte. Gemeinsam mit 71 anderen unbewaffneten Afrikanern war er von Regierungssoldaten und Milizangehörigen verschleppt worden. "Sie brachten uns mit Armeefahrzeugen in ein Tal zwei Kilometer südlich von Deleij", sagte er.

"Dort mussten wir uns in einer Reihe aufstellen, uns hinknien und den Kopf senken. Dann schossen sie uns ins Genick. Ich habe nur überlebt, weil sie mich für tot hielten."

Am selben Tag, dem 5. März, wurden weitere 65 Männer vom Stamm der Fur von einer ähnlichen Truppe in der Region Mugjir, östlich von Deleij, umgebracht.

Darüber hinaus wurden neun Stammeshäuptlinge, die eine Woche zuvor verhaftet worden waren, in Gefängnissen in Mugjir und Garsila in der Nähe Deleijs erschossen.

Westlich von Wadi Saleh liegt Tullus, eines der vielen Dörfer, die von Janjaweeds niedergebrannt und dann besetzt wurden. Nach dem Überfall auf das Dorf im Februar trieben Regierungssoldaten und Milizangehörige Frauen und Kinder in ein Tal. Dort erschossen sie ihre Opfer kaltblütig, als die sich hinter Felsen und Bäumen verstecken wollten. Hussein Da'afallah, 12 Jahre alt, der mit drei Schusswunden überlebt hatte, berichtete uns: "Sie sagten: Du bist ein Rebell und der Sohn von Rebellen!"