So sehen also Pilgerstätten für Technikfreaks aus. Die Addison Avenue ist eine ruhige Allee gleich um die Ecke der kalifornischen Stanford University.

Links und rechts stehen imposante Autos und großbürgerliche Villen, und vor der Hausnummer 367 stieren gelegentlich Besucher durch den Holzverschlag vor der Einfahrt. Viel gibt es nicht zu sehen, bloß eine große, beige gestrichene Gartenlaube. Sie gilt als der Geburtsort des Silicon Valley, denn die Laube ist jene sprichwörtliche Garage, in der William R. Hewlett und David Packard 1938 ihr erstes Produkt erfanden, einen Tongenerator. Der hatte zwar noch lange nichts mit dem Computer zu tun, der Jahrzehnte später der Firma Hewlett-Packard und der ganzen Region südlich von San Francisco einen Wirtschaftsboom bescheren sollte. Doch die beiden jungen Ingenieure hatten als Erste den Rat ihres Stanford-Professors Fred Terman beherzigt: Bleibt nicht in den Labors stecken! Zieht in die Garagen! Werdet Erfinder und gründet eigene Unternehmen!

Spätestens seit der vergangenen Woche ist sie wieder in aller Munde: die kalifornische Innovationsschmiede Silicon Valley und die Wunder, die in ihren Garagen gedeihen. Das Unternehmen Google aus Mountain View - 1998 von zwei Stanford-Absolventen gegründet und zu Beginn stilecht in einer Garage beheimatet - will in den kommenden Monaten 2,7 Milliarden Dollar bei einem spektakulären Börsengang einnehmen (siehe nebenstehende Seite). Die heute 30-jährigen Firmengründer, die gelegentlich noch mit Rollschuhen oder auf einem Scooter durch die Firmengänge flitzen, werden zu Milliardären. Die Webseite der Wertpapierbehörde SEC war vor lauter Anlegerinteresse an dem Börsenprospekt zeitweise lahm gelegt, und das alles vier Jahre nach dem großen Technologiecrash an den Börsen, als Anleger in aller Welt ihre Technikaktien abstürzen sahen. "Googlemania" titelten amerikanische Wirtschaftsmagazine bereits.

Tatsächlich hat Google etwas geschafft, das in den späten neunziger Jahren noch den meisten Internetunternehmen misslang: Es verdient Geld, und das nicht zu knapp. Google betreibt die führende Webseite zum Suchen von Daten, Dokumenten und Bildern im Internet. Und obwohl dieser Dienst kostenlos angeboten wird, machte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Gewinn von 106 Millionen Dollar. Werbung und kostenpflichtige Zusatzdienste spülten das Geld in die Kasse.

Heute ist Google damit keineswegs mehr allein: Eine große Zahl "überlebender" Dotcom-Unternehmen schreibt heute schwarze Zahlen, und Konzerne wie das Auktionshaus eBay verzeichnen gar schon Jahresumsätze von mehr als zwei Milliarden Dollar. Ist Google also nur der Anfang für einen neuen Boom der Internet-Wirtschaft und ihrer Wiege, des Silicon Valley?

"Ich bin um die ganze Welt gereist und habe keinen zweiten Ort gefunden, der für Innovationen derart geeignet ist!" Das sagt Paul Saffo, der Chef des Institute for the Future in San Mateo. Er spricht aus Erfahrung. Seine kleine Denkfabrik gibt es schon seit 25 Jahren, den Aufstieg des Internet sagte Saffo als einer der Ersten voraus, und natürlich gibt er auch gern den Cheerleader für den Wirtschaftsraum der Bay Area. "Der Boom der neunziger Jahre soll einfach eine Spekulationsblase gewesen sein? Hier ist richtig Geld verdient worden."

Unweit der Addison Avenue führt eine Auffahrt auf den El Camino Real, die Hauptschlagader der Wirtschaftsregion, die im Norden bis nach San Francisco führt und im Süden bis nach San Jose. In den dreißiger Jahren waren hier noch Aprikosen- und Pflaumenhaine zu bewundern, doch bald hinterließ ein Wirtschaftsboom nach dem nächsten seine Zeichen: erst eine Hardware-Euphorie dank Computertechnik, dann der Software-Boom der achtziger Jahre, schließlich der Internet-Boom der späten Neunziger. Jetzt stehen entlang des Weges gewaltige Technologie-Schmieden wie die Sun City der Computerfirma Sun, parkartige Luxus-Büroanlagen wie den Googleplex der Firma Google am Stadtrand von Mountain View und ringsherum großzügige Wohnsiedlungen. Sie zeugen vom Wohlstand der technischen Eliten, das Valley hat seine Pioniere reich entlohnt.