Zeitgenössische Kunst ist oft anstrengend und nicht selten unangenehm. Dass es auch ganz und gar verspielt und lustvoll zugehen kann, zeigt die bemerkenswerte Ausstellung Ha Kypopt! Russische Kunst heute, die derzeit in der Kunsthalle Baden-Baden zu sehen ist (bis zum 27. Juni). "Auf zum Kurort!"

heißt das übersetzt, und dem kann man nur zustimmen. Das alte Europa ist dort nämlich ein hinreißend zahnloses Mütterchen mit schlohweißem Haar und knittriger Haut. So arrangiert es zumindest Tatjana Antoschina für ihre skurrile Farbfotoserie Europa. Sympathisch unverschämt und unverkrampft gehen auch die anderen Künstler mit Traditionen, Mythen, Ideologien und Klischees ihrer Heimat um: Nina und Torsten Römer vertiefen die deutsch-russische Freundschaft mit einer innigen Knutschperformance, Wasilij Slonow überlässt es den Motten, sich durch das sowjetische Reich zu fressen, Wladislaw Mamyschew-Monroe kaspert als Dostojewskij durch die Spielhalle, und Nikolaj Owtschinnikow baut aus Birken-Neonröhren einen hippen Moskauer Parthenon. Die Schau tut gut daran, die Exponate nicht unter eine Leitidee zu zwängen, sondern es bei einer bunten Auswahl russischer Gegenwartskunst zu belassen.

Himmlisch die Idee von Alexej Kostroma, der drei schneewittchenhafte, bis obenhin mit beleuchteten Gänsefedern gefüllte Särge in einen kleinen dunklen Raum stellt. Dort tönen sphärische Klänge, und der Wandtext weiß: "Besser ewig liegen, als ewig stehen." Je nach Befindlichkeit - pain-stress, love-stress, money-stress - wählt der Besucher den passenden Sarg und kurt sich seine Sorgen einfach von der Seele. Art-stress kommt da erst gar nicht auf.