Paris ist eine Messe wert. So gelassen erklärte weiland Henri Quatre, König von Navarra und Frankreich, seinen Vereinswechsel zur katholischen Kirche. Nachfolger Jacques Chirac sollte den guten Rat befolgen und seine Minister anweisen, in Sachen europäische Agrarexportbeihilfen vom alten Glauben und endlich Vernunft walten zu lassen.

Vernünftig, die 2,8 Milliarden Euro im EU-Haushalt für Gescheiteres, sagen wir Forschung und Bildung, auszugeben. Vernünftig auch, die bockbeinigen Schwellenländer mit eleganter Geste wieder in die Welthandelsrunde zu ziehen, die im vergangenen Herbst gescheitert ist. Vernünftig schließlich, dem amerikanischen Freund so zu beweisen, dass der Multilateralismus trotz Zank nicht tot ist und in der Welthandelsorganisation WTO jeder mit jedem Kompromisse schmieden kann (liebäugelte in Washington doch mancher längst mit bilateralen Abkommen).

Die Vernunft hat einen Namen, besser zwei: Die EU-Kommissare Franz Fischler und Pascal Lamy überraschten mit ihrem Angebot, auf Exportsubventionen für den Fall zu verzichten, dass sich gleichzeitig auch andere, sprich die Amerikaner und Australier bewegen. Widerborstig gibt sich nur Frankreich. Kompetenzüberschreitung der Kommissare, schimpfte der Pariser Agrarminister. Den Franzosen gilt in der Weltpolitik der Multilateralismus als höchste Richtschnur. Gut so. Dann aber auch im Welthandel, s’il vous plaît, zumal Chirac auf jedem Afrika-Gipfel ein Herz für die Armen zeigt und danach alle Vorsätze und Versprechen wieder vergisst.
Joachim Fritz-Vannahme