Nur einem Blinden oder einem Analphabeten hätte entgehen können, was in Ruanda geschah", so schrieb der Generalmajor und Kommandeur der Blauhelmtruppe in Ruanda, Romeo Dallaire, später. Er war der glaubwürdigste Zeuge des schnellsten Völkermordes der Zeitgeschichte. Sechs Jahre danach wurde eine Volkszählung durchgeführt, bei der die genaue Zahl von 951.018 Opfern ermittelt wurde. In der Regel wurden die Menschen mit der Machete zerhackt, weil Kugeln zu wertvoll für sie waren.

Die westliche Welt erlebte zwischen April und Juli 1994 ihre schwärzeste Stunde nach 1945. Sie will das bis heute nicht wahrhaben. Wenn man so einfach das Völkermordverbot der UN-Konvention umschiffen kann, was ist es dann wert? Was ist dann unser Gerede über die universalen Menschenrechte wert, was das Pathos unserer Verfassung, nach der die Würde des Menschen unantastbar sei? Im Zweifel kümmern wir uns exklusiv um unsere eigenen Landsleute. Als nach dem Abschuss des Flugzeugs des Präsidenten des Landes, Habyarimana, am 6.April die Todesschwadronen loszogen, da haben wir uns allein um die Frage gekümmert, wie wir unsere wenigen EU-Bürger aus Ruanda herausholen.