Richard Herzinger macht dankenswerterweise auf einen blinden Fleck unserer Nachwohlstandsgesellschaft aufmerksam, auf die islamistische Kulturbewegung, die zunehmend missionarische Impulse entwickelt. Der blinde Fleck besteht darin, dass diese Kulturbewegung mit Ausgangspunkt unter drei Millionen Muslimen meist türkischer Abstammung in Deutschland bisher ignoriert, nicht wahrgenommen wird. Kaum eine Zeitung, kaum eine Redaktion beschäftigt türkisch- oder arabischsprachige Mitarbeiter, die diese Kulturbewegung begleiten, als gäbe es unter muslimischen Menschen keine Kultur.

Die Wahrnehmung islamischer Kultur ist bitter nötig, sonst könnte sich die vermeintlich westliche Überlegenheit, die sich zunehmend weniger auf Werte als auf Geld stützt, als tönernes Standbein entpuppen.

Dr. Jobst Reller Hermannsburg

Mit dem "Islamismus" bringen Sie jedenfalls optisch speziell türkische Menschen in Verbindung - als gefährliche potenzielle Gewalttäter. Ist das der ZEIT-Trend?

Ein mindestens ebenso alarmistischer Bericht wäre Ihnen auch unter dem Stichwort "Katholizismus" gelungen, wenn Sie entsprechend "harte" katholische Gruppierungen samt deren Drucksachen unter Ihr Vergrößerungsglas gelegt hätten.

Georg Sieber, München

Leider zeichnen Sie doch wieder ein recht einseitig pessimistisches Bild von der "islamischen Szene" in Deutschland. Schade, denn so berechtigt die Furcht vor militanten Islamisten auch sein mag, Tatsache ist, dass der weit überwiegende Teil der Muslime in Europa friedlich und unpolitisch ist.