Die schönste Art, sich dem SV Werder Bremen zu nähern, ist, an einem sonnigen Frühlingstag über den Osterdeich in Richtung Weserstadion zu fahren. Wer sich die Zeit nimmt, um der Straße in gemächlichem Tempo zu folgen, sieht rechter Hand die Grundstücke gut betuchter hanseatischer Kaufleute. Üppig wuchern die Pflanzen in den Gärten, darin stehen gediegene Bürgerhäuser. Die Architektur ist wie ein Fingerzeig auf die Stadt Bremen - und auf ihren Fußballverein.

Der Bremer weiß, was er ist. Aber er erliegt nie der Versuchung, mit Prunk und Protz um sich zu werfen. Angeben sollen sie in Düsseldorf oder sonst wo in der Republik. Ein Dorf mit Straßenbahn, so nennen die Bremer ihre Stadt.

Understatement gehört hier zum Selbstverständnis.

Der Eindruck verstärkt sich, wenn der Weg über das Kopfsteinpflaster hinunter zum Stadion führt und hinauf in die Geschäftsstelle im vierten Stock. Dort, im Präsidialzimmer des SV Werder, wartet Thomas Schaaf. Stellwände mit architektonischen Reißbrettzeichnungen stehen vor den Wänden aus dunklem Holz und den silbern glänzenden Pokalen, die von der ruhmreichen Vergangenheit des Klubs künden. Dann baut sich Schaaf, in feiner Stoffhose, das Logo des Sponsors am Hemd, vor den Skizzen auf und erläutert die baulichen Veränderungen am Weserstadion. Und es klingt, als sei der 43-Jährige der Baumeister und der ganze aufwändige Umbau seinem Kopf entsprungen.

Schauen Sie, sagt Schaaf und deutet auf die vier neuen Glastürme mit den VIP-Lounges. Und dann berichtet er, wie die Laufbahn eliminiert wurde, das Spielfeld um einige Meter abgesenkt, und wie Spundwände in den Boden getrieben wurden, um das Grundwasser fern zu halten. Der Mann sagt dabei immer wir, und der Zuhörer könnte der Vermutung erliegen, er verdiene sein Gehalt im Management oder in der Marketingabteilung seines Klubs.

Doch Thomas Schaaf ist Trainer. Ein erfolgreicher zudem: Er hat Werder Bremen zur vierten Deutschen Meisterschaft der Klubhistorie geführt, und läuft alles normal, beschert er seinem Verein am 29. Mai mit einem Sieg gegen Alemannia Aachen den Sieg im DFB-Pokal. Es wäre das erste Double in der Geschichte Werders und somit ein Glanzstück, das nicht einmal dem großen Otto Rehhagel gelungen ist.

Ein Langweiler? Wenn er will, kann er sehr witzig sein