Natürlich haben in Zeiten knapper Kassen Kinder und Enkel wieder die Pflicht, verstärkt für Eltern und Großeltern zu sorgen. Ich bin sogar dafür, dies noch viel weiter zu fassen: Die Kinder sorgen wieder völlig für ihre alten Eltern, sie zahlen ihnen direkt eine Rente und zahlen ihre vollen Gesundheits- und Pflegekosten. Allerdings müssen die Erwerbstätigen dann natürlich keine Sozialbeiträge mehr bezahlen und bekommen die Arbeitgeberanteile voll steuerfrei ausbezahlt. Aber, wer sorgt dann für die kinderlosen Alten, deren Zahl seit zehn Jahren stark zunimmt? Wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt, erkennt man sofort, weshalb wir eine Finanzmisere haben. Die Ursache ist die seit 1970 rapide zunehmende Kinderlosigkeit und Kinderarmut. Deshalb fehlen seit 1995 jährlich 400 000 junge Beitragszahler.

Kinderlose haben durch ihre Beiträge zwar auch für ihre Eltern gesorgt, es gibt aber keine moralische Begründung, warum ihnen die Kinder anderer Leute im Alter eine Rente schenken und ihre hohen Krankheits- und Pflegekosten bezahlen sollen. Wer sich die Kosten und Mühen für Kinder erspart hat, darf das so ersparte Geld eben nicht einfach verprassen, sondern muss es anlegen für sein Alter.

Prof. Dr. Hermann Adrian Weiterstadt