Warum eigentlich Gletscherschutz? Da ist doch nur Eis und Schnee?

So einfach kann man es sich nicht machen. Es gibt viele Gründe für den Schutz der Gletscher. Der wichtigste: Gletscher sind Wasserspender für eine ganze Region. Auf stark genutzten Gletscherskigebieten können Schadstoffe wie Fette, Öle und Salze ins Grundwasser gelangen. Wie sich das im Urgestein auswirkt, ist noch kaum erforscht. Außerdem gehören Gletscher zu den letzten Ruhezonen im Hochgebirge. Und es geht um den Schutz einer sehr attraktiven Landschaft. Die eisbedeckte Weißseespitze im Kaunertal, die jetzt durch eine Pendelbahn erschlossen werden soll, zählt mit 3526 Meter Höhe zu den höchsten Gipfeln der Ostalpen. Das wäre dann der höchste skitechnisch erschlossene Punkt in Tirol. Eine bislang nie da gewesene Dimension.

Aber sind die Gletscher nicht sowieso – im buchstäblichen Sinne – ein Auslaufmodell. In 50 Jahren sollen doch wegen des Klimawandels die meisten von ihnen abgeschmolzen sein…

Ich glaube nicht, dass Gletscher wie der Gepatschferner im Kaunertal, der ja auch verrummelt werden soll, in absehbarer Zukunft völlig abtauen werden. Wir werden wohl einen weiteren Volumensverlust erleben. Aber vor allem in den Monaten September bis Mai, worauf es den Seilbahnbetreibern ja ankommt, wird wohl in diesen Höhenlagen erst einmal alles so bleiben, wie es ist.

Was sieht die umstrittene Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes im Detail vor?

1991 wurde als Ergebnis der heftigen Konflikte um die Sommerskigebiete im Pitz- und Kaunertal der Gletscherschutz per Gesetz festgeschrieben: Keine weiteren Seilbahnen mehr. Dieser Konsens wurde nun auf Druck der Seilbahnlobby aufgekündigt. Jetzt sollen Erweiterungen bestehender Gebiete – betroffen sind Ötztal, Zillertal, Kaunertal, Pitztal und Stubaital – wieder möglich sein. Und zwar ganz einfach per Regierungsverordnung.

Ein Gummiparagraf…