Was Polleke widerfährt, geschieht Tag für Tag: Freundschaftschaos, Familienwahn, Seelenrumpeln. Was Polleke bewegt, ist keinem fremd: diese nicht kleinzukriegende Sehnsucht nach herzensgütigen Verhältnissen. In ihren Erfahrungen unterscheidet sich Guus Kuijers liebenswerte Heldin also nicht wesentlich von ihren Lesern.

Polleke, Dichterin mit zwölf, schlägt sich nach wie vor augenzwinkernd durchs Dickicht des Alltags. In Wunder kann man nicht bestellen – Band vier von fünf – werden die Herausforderungen noch komplizierter als bisher. Die Pubertät lässt alles aus den Fugen geraten, die Sache mit der Liebe wird langsam hautnah, Freundschaften sind ernsthaften Proben ausgesetzt, und zum Schrecken aller erkrankt Opa schwer, just in der Zeit, als Mutter ihren neuen Lebensgefährten heiraten will, Pollekes Klassenlehrer. Zu allem Übel sind Erwachsene immer noch nur beschränkt lernfähig, der jugendliche Blick auf ihre Jammertäler und Glückshügelchen wird allerdings skeptischer.

Guus Kuijer konstruiert keine dramatische Handlung – das bisschen Leben ist dramatisch genug. Jedes Kind in Pollekes Alter, dessen Eltern auf verschiedenen Planeten leben, weiß, was es bedeutet, hin und her zu pendeln. Jedes Kind bedrückt die unsägliche Angst vor dem Verlust eines nahen Menschen. Und was die Schwummrigkeit beim ersten schlapprigen Zungenkuss betrifft, muss diese hier nicht näher erläutert werden.

Kuijer verordnet seiner Heldin keine Courage. Lebensmut wächst als sensibles Pflänzchen inmitten des Drunter und Drüber aus der Gewissheit, von den Menschen, die ihr etwas bedeuten, geliebt zu werden, von jedem auf seine eigenartige und einzigartige Weise. Das lässt die Leser aufatmen. Und noch etwas macht die Lektüre trotz aller Betrübnisse so leicht-sinnig: Polleke sinniert herzerfrischend freimütig über Dinge, die andere pietätvoll umschiffen.

An ihrer Sicht der Dinge kann man sich erbauen, sodass sogar der kleine Friedhof zum schönsten Fleck der Welt wird. Sicher wird Polleke dort bald auf Opas Klappstuhl an seinem Grab sitzen, ein paar Gedichte schreiben, während die Enten quaken, das Schilfgras rauscht und der Himmel sperrangelweit offen steht.