Nein, so kann man die Kultur des Ruhrgebietes nicht in einen Pott mit Casdorf und Fußball werfen und auf Schimanski und Tegtmeier reduzieren. Nirgendwo sonst gibt es solch eine Theater-Dichte, so viele Orchester und jetzt auch noch Konzerthäuser.

Politiker und engagierte Bürger der Region haben die Gelder freigemacht, um statt Plattmache die einzigartigen Industriedenkmäler zu ermöglichen, haben das vorbildlich gestaltete und geleitete Konzerthaus Dortmund geschaffen, die Jahrhunderthalle in Bochum und den neuen Kulturpark mit Aalto-Oper und Saalbau im Stadtpark Essen. Wo gibt es zum Beispiel ein vergleichsweise anspruchsvolleres Klavierfestival als in der Industriearchitektur an der Ruhr?

Andere Regionen nutzen einem "Eventtrend" für die Kulturschickeria folgend alte Bauernhöfe, Herrenhäuser, Schlösser, Kirchen und Weingüter für Klassik, wir machen das hier auf Zeche und in Stahl und Eisen. Wir haben nicht alle einen Taubenschlag, gehen auch nicht alle "auf Schalke", nein, nein, wir staunen nicht nur über unsere Kultur, wir haben sie und gehen sogar hin und leisten uns auch "Auswärtige", die frische Ideen in unse-re Kulturlandschaft bringen. Schließlich sind wir hier so was wie die Vorreiter von Europa - ein Schmelztiegel von Kulturen.

Jofef Lehmkuhl Haltern am See