Für Andernach könnte die voreilige Erlaubnis ein Bärendienst sein: Rund 720000 Euro stecken bereits im Sand des Namedyer Werths und in der begleitenden Entwicklung des Projekts. Nun erweist sich als fatal, dass mit einer eiligen Probebohrung nahe der historischen Stätte Fakten geschaffen wurden. Die Naturschützer fordern eine neue Bohrung, der Touristengeysir soll auf der anderen Seite der Bundesstraße sprudeln. Oberbürgermeister Hütten beharrt: "Es gibt keinen vergleichbaren Standort." Thomas Brötz kontert: "Nicht im Kernbereich des Naturschutzgebietes!"

Ob die Verlagerung des Geysirs gelingt, ist strittig. Gasmessungen an der Oberfläche der Halbinsel (aufsteigendes Kohlendioxid und Radon) sollen Hinweise geben für Alternativstandorte. Wo viel Gas austritt, könnte eine neue Bohrung erfolgreich sein, lautet die Hoffnung. Sicher ist bisher nur, dass im Kern des Naturschutzgebiets der Geysir springt. Fachleute halten die Gasmessungen für wenig aussagekräftig, da keiner weiß, wie die Gase durch die verschiedenen Bodenschichten wandern. Klarheit könnten nur Tiefenbohrungen liefern, zu mehr als 100000 Euro pro Versuch. Im Andernacher Rathaus wird eifrig an Varianten gearbeitet: Den Pfad für die Besucher weniger weit ins Gebiet führen, dichtes Dornengestrüpp als Abschirmung zum Rest-Schutzgebiet anpflanzen, auch eine abgeschirmte Besucherplattform war schon im Gespräch. Jedenfalls scheint ein gänzlich neuer Antrag am wahrscheinlichsten zu sein, mit mehr Rücksicht auf das Biotop, ohne Verzicht auf den Standort. Die Landesregierung jedenfalls, eine erklärte Befürworterin des Andernacher Anliegens, hat das Namedyer Werth nicht auf die EU-Meldeliste der umkämpften FFH-Biotope (Flora-Fauna-Habitat) gesetzt. Der BUND hatte genau das gefordert. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz war im Herbst noch von einer FFH-Würdigkeit ausgegangen.

Die Stadt Andernach hat vorgeschlagen, Ausgleichsflächen zu schaffen. Bürgermeister Hütten rechnet unter dem Applaus seiner Bürger auf dem Marktplatz vor: Hinterher käme mehr Biotop-Fläche dabei heraus. "So können wir der Natur noch etwas Gutes tun!" Die Mündung des Flüsschens Nette, rheinaufwärts an der Stadtgrenze, biete jedoch keine Laache, monieren Kritiker. Bis die Nettemündung ein "gewöhnliches" Biotop werde, vergingen Jahre. Seltene Tiere, sagt Thomas Brötz, können sich diese Wartezeit nicht leisten. Als die Insel des schlafenden Geysirs 1985 unter Schutz gestellt wurde, hatten Naturschützer noch skeptisch abgewinkt.

Der Kaltwassergeysir hat seinen Ausbruch beendet. Die letzten Wassertropfen sind schwächelnd aus der Tiefe geblubbert, jetzt gibt der vulkanische Untergrund nur noch das letzte Gas des Ausbruchs frei: Über dem Loch flimmert die Luft, ein leichtes Zischen ist zu hören. Geologe Krauthausen stapft in Gummistiefeln Richtung Bohrloch und füllt ein Schnapsglas mit den leicht trüben Resten des Schauspiels. Das Wasser aus der Tiefe riecht ein wenig salzig mit einer Note von Seife. Es schmeckt etwa so wie Emser Pastillen. Der Schluck aus dem größten Kaltwassergeysir der Welt hinterlässt einen säuerlichen Nachgeschmack.