Seit ich ihn das erste Mal hörte, war ich ein Fan von Eric Burdon, blieb es bis heute. Er hatte diesen Schrei drauf, den wir damals alle so gerne gekonnt hätten, diesen Schrei, der mehr sagte als jedes Wort – als hätte die Seele eine eigene Stimme gehabt, einsam, verloren und laut, als müsste sie überall gehört werden, bis ins jüngste, ins schwächste Herz. Und Burdon schaffte das spielend. Er war der Typ, der House of the Rising Sun sang und den Song weltberühmt machte, ein britisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert, das den Weg in die Südstaaten der USA genommen hatte – aber wie er es sang, wie mit Louisianamoos auf den Stimmbändern und so rau und inbrünstig, dass dieser Planet, solange der Song spielte, anders atmete! Zehn Minuten dauerte die Aufnahme auf Magnetband, die Eric Burdon und die Animals in die US-amerikanischen Charts auf Platz 1 katapultierte. Und heute noch ist er mächtig stolz darauf, dass der Hit House of the Rising Sun Bob Dylan dazu brachte, seine Gitarre zu elektrifizieren.

Ein Klischee, zu sagen, er wäre ein Weißer mit schwarzer Stimme, ein Brite mit Soul, ein vom Rhythm & Blues gesäugter Mann, der für seine Musik lebte und für sie durch Himmel und Hölle ging; er war ein kleiner, blasser Zwerg mit der Stimme eines Riesen, unumstritten einer der besten weißen Shouter und mit solch superben Bands wie den Animals und War im Rücken ein Lieferant großer Songs und großer Hits.

Das, was ich über seine Person, sein Leben wusste, war nicht viel, genügte aber, um ihn als glaubwürdig zu verehren. My Secret Life, seine Autobiografie, wird daran nichts ändern. Im Frühjahr 2001 beging Eric Burdon seinen 60. Geburtstag – Grund genug, unbekümmert in Memoiren zu schwelgen. "Ich bin mittlerweile seit vierzig Jahren Rock ’n’ Roller, hab mein Leben auf der Bühne verbracht und mit der Hure namens Ruhm getanzt, gelebt und sie geliebt."

Leider beginnt der Band mit einem Vorwort von Udo Lindenberg, und schon nach den ersten Sätzen stellt sich die Frage: Wozu gibt es Ghostwriter?

Das Problem ist nicht so sehr, dass da jemand sein Leben erzählt, sondern wie er sein Leben erzählt. Nichts dagegen zu sagen, dass da ein alternder Rockstar zurückblickt auf die Jahre seit 1962, und auch nichts dagegen, dass das Leben eines alternden Rockstars in der Vergangenheit vor allen Dingen nichts anderes als ein Bühnen- und Hotelleben war – aber man hätte es sich schon gewünscht, dass sich seine Autobiografie ein wenig so liest, wie er sich in seinen Songs anhört: vollkommen unverwechselbar mit seinen quälenden, verstörenden, himmelhoch jauchzenden Anflehungen des Glücks aus der Einsamkeit eines Liebenden, der von seinen eigenen Gefühlen zermalmt wird und in Schönheit schreit.

Anders als in der Literatur gilt es in der Rockmusik als hip, aus dem Arbeitermilieu zu kommen und Erfolg zu haben, wie aus dem sozialen Nichts heraus die Charts zu stürmen, plötzlich die Wahl zu haben zwischen Saus oder Braus. Burdon war Kunststudent an der Newcastler Kunstakademie, Fan der Autoren der Beatgeneration. Er und andere "verratzte Typen aus Newcastle" spielten in Arbeiterclubs in einer Rhythm-&-Blues-Band, und im Jetstream der Beatles sog es sie tiefer in die Hallen des Ruhms. Ein umgebauter Militärkrankenwagen diente seiner Band, den Animals, als Tourbus, und Komfort und Karriere waren noch Fremdwörter.

Ich, schreibt er, "brachte mein Ding". Er tingelte mit den Animals, gab den ersten Groupies die Zimmernummer seines Hotels. Vielleicht wäre alles so weitergegangen, heute hier, morgen dort, die Zukunft ein schwarzes Loch. Aber dann kam das mit House of the Rising Sun, ihrem ersten Hit, und sie spielten ihn in Amerika in der Ed Sullivan Show vor vielleicht nicht ganz so vielen Zuschauern, wie sie die Beatles hatten: 70 Millionen – Vietnamveteranen inklusive.

Seine erste "ernsthafte Beziehung", schreibt der nicht eben an Testosteronstau leidende Burdon, war eine Afrikanerin namens Doreen, eine Beziehung, die seine Affinität zur schwarzen Rasse festlegte, eine Affinität, die sich natürlich nicht nur sexuell, sondern auch musikalisch äußerte und mehr oder weniger sein ganzes Leben als Musiker währte. "Harlem war für mich eine wahre Stätte der Zuflucht und die Heimat dessen, wonach ich suchte: das schwarze Amerika."