Ed Begley ist schlecht gelaunt. 13 Milliarden US-Dollar habe Kalifornien bisher für den Krieg im Irak gezahlt, wettert der TV-Star. Wenn nur die Hälfte davon in grüne Energien investiert worden wäre, dann wären die Energieprobleme des US-Bundesstaats gelöst, so der beliebte Late-Night-Moderator.

Begley lebt in einem nicht klimatisierten, aber wärmegedämmten Solarstrom-Haus in Los Angeles und fährt ein Elektroauto. Und: Er ist kein Einzelfall. Ganz Hollywood ist auf dem Ökotrip. Charlize Theron fuhr im Erdgasauto bei der Oscar-Verleihung vor, Marlon Brando rüstet seine Südsee-Inseln mit Sonnenkollektoren aus, Leonardo diCaprio sponsert Solardächer in Los Angeles. Und der jüngste Thriller aus der kalifornischen Filmfabrik, The Day After Tomorrow, lässt das Eis der Antarktis schmelzen und Metropolen im Ozean versinken – Schreckensbilder einer Ökokatastrophe.

Ein solches Horrorszenario zu verhindern, betrat nun der einstige Terminator und jetzige Gouverneur Kaliforniens die Bühne. Arnold Schwarzenegger hat ein energiepolitisches Programm aufgelegt, das den wirtschaftsstärksten US-Bundesstaat beim Klimaschutz an die Weltspitze katapultieren könnte. Jede dritte Kilowattstunde Strom soll im Jahr 2020 aus Erdwärme, Sonne, Wind und Biomasse gewonnen werden. Gesetzlich fixierte Grenzwerte für den Ausstoß von Klimakillern wie Kohlendioxid, Methan und FCKW sollen alte Autos von den Highways verbannen. Und gemeinsam mit den anderen US-Westküstenstaaten und Kanada lässt Schwarzenegger den Handel mit Emissionszertifikaten vorbereiten; damit will er den Bau effizienter Kraftwerke und Fabriken vor allem in Silicon Valley anregen. Eine gesunde Umwelt sei Voraussetzung für Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Steuereinnahmen, verkündet der Gouverneur.

Neun Hummer im Fuhrpark

Das sind ganz andere Töne, als sie von Schwarzeneggers Parteifreunden in Washington zu hören sind. Auf deren Geld freilich ist "Arnie" angewiesen, denn Kalifornien ist hoch verschuldet; ein Drittel des 100-Milliarden-Dollar-Etats fließt bereits in den Schuldendienst. In der Hoffnung auf Finanzspritzen aus Washington macht Schwarzenegger sich deshalb auch für ein Lieblingsprojekt von George W. Bush stark: für die Wasserstoffwirtschaft. Wasserstoff soll nach Meinung des US-Präsidenten die 200Millionen in den USA zugelassenen Autos, die zwei Drittel der täglich im Land verbrauchten 20 Millionen Fass Erdöl schlucken, vom schwarzen Gold unabhängig machen. 1,7 Milliarden Dollar will Bush für die Entwicklung des "Treibstoffes der Freiheit" ausgeben. Und genau davon will Schwarzenegger nun einen schönen Batzen abbekommen.

In seinem privaten Fuhrpark beherbergt "Arnie" unter anderem neun Hummer, extrem benzindurstige Supergeländewagen. Doch nun will der Gouverneur mit Hilfe Washingtons entlang des Pacific Coast Highway, des berühmten Highway Number One, 200 Wasserstofftankstellen bauen lassen. 2010 sollen eine Million wasserstoffgetriebener Autos "ohne Emissionen und Smog" in den Metropolen am Pazifik fahren. Eine Vision, deren Umsetzung das Gewissen seiner Wähler entlasten würde. Im Durchschnitt bewegt jeder Kalifornier, vom Baby bis zum Greis, ein Auto jeden Tag 30 Meilen weit. 58 Prozent aller Kohlendioxidemissionen im Sonnenstaat entstammen den Auspuffrohren. Die Abgase bescherten Los Angeles im vergangenen Jahr bereits an 68 Tagen Smogalarm. Und es könnten bald noch mehr sein, warnt Terry Tamminen, Kaliforniens Umweltminister, und erinnert an die 100000 registrierten Smogkranken.

Autofahren ohne Klimafrevel – da sind die Kalifornier begeistert. Aber verspricht Schwarzenegger womöglich mehr, als er halten kann? Ja, fürchtet Matt Petersen, Präsident von Global Green in Santa Monica, dem Wahlkreis des Gouverneurs. Zu teure Autos, zu wenig Tankstellen, ungelöste Speicherprobleme, kein Konzept zur klimafreundlichen Produktion des Treibstoffs – es seien noch viele Probleme zu lösen, bevor "Arnies" Traum Wirklichkeit werden kann, erklärt Global Green. Die Öko-Organisation berät Promis wie Sting, Tom Hanks und Cameron Diaz bei ihrem grünen Engagement.

Wenigstens 15 Jahre werde es dauern, heißt es auch in der Forschungsabteilung von BMW, bis wasserstoffgetriebene Fahrzeuge vom Band laufen, die amerikanischen Ansprüchen genügen: 300 Meilen Reichweite, fünf Minuten Tankzeit, marktfähiger Preis. Der deutsche Autokonzern plant zwar offiziell für 2007 die erste Serie der Zukunftsfahrzeuge – noch vor den Konkurrenten Toyota und Honda. Voraussetzung ist jedoch, dass mindestens jede siebte Tankstelle über eine Wasserstoffzapfsäule verfügt, damit die emissionsfreien Fahrzeuge überhaupt akzeptable Strecken zurücklegen können.