Jeden Abend nimmt Johanna das braune Fläschchen und zählt die Tropfen. Zwölf Stück darf sie zurzeit nehmen. Bald werden es sechzehn, dann zwanzig sein. Sie lässt die Tropfen in einen kleinen Becher fallen und trinkt vorsichtig die durchsichtige Flüssigkeit. Dann legt sie sich schlafen in der Hoffnung, beim Aufwachen ein bisschen mehr Mädchen zu sein.
Wer Johanna Below (Name von d. Red. geändert) sieht, hat keinen Zweifel daran, dass sie ihrem Ziel sehr nahe ist. Die Haare sind lang und dunkelblond, über der schlanken, noch kindlichen Figur trägt sie eine blaue Jacke, dazu einen kurzen Rock und Turnschuhe. Wenn Johanna lächelt, blitzt eine Zahnspange. Wenn sie sich schnäuzt, führt sie das Taschentuch mit beiden Händen behutsam zur Nase. Ein Junge würde das nicht so machen. Ein 14-jähriges Mädchen schon, eines das in Bravo und Jam am liebsten die Fotoromane liest, das in der Schule Mathe hasst und später einmal Floristin werden möchte oder Schauspielerin. "Andere Rollen zu spielen", das gefalle ihr, sagt sie, "und wenn die Leute klatschen".