Finke: Beim Reagieren auf den Gegner haben wir ein gutes Potenzial. Es fällt uns aber schwer, einen Gegner konzeptionell unter Druck zu setzen.

ZEIT: Wir haben auch für eine bessere, andere Gesellschaft keine Konzepte, wie sollen wir sie da für das Spiel auf dem Platz haben?

Finke: Entscheidend wird sein, wie der Boulevard reagiert. Wenn das erste Spiel schlecht läuft, besteht die Gefahr, dass über die Berichterstattung ein Teil der Fans aggressiv auf die eigene Mannschaft reagiert. Ist ja interessant, was im Moment medienmäßig passiert: Es wird den Menschen zu oft das Gefühl gegeben, dass das Preis-Leistungsverhältnis nicht mehr stimmt. Und schon ist die Neiddiskussion da, eines der Lieblingsthemen des Boulevards. Über den Bauch werden die Leute aggressiv gemacht: Scheiß Millionäre! Da haben Sie die ganze Gesellschaft polarisiert, die treibt auseinander.

Theweleit: Aus Neid kommt Hass.

ZEIT: Ist das eine typisch deutsche Eigenart? In anderen Ländern gönnt man den Superstars ihre Wahnsinnsgehälter.

Theweleit: Jedenfalls wird es ihnen nicht so missgönnt wie hier. Ein simpler Gedanke steht natürlich nicht in den Zeitungen: Wenn der so genannte Millionario zehn Millionen weniger bekommt, hat der, der nichts hat, keinen Pfennig mehr. Du hast aber was davon, wenn er schön spielt. Deutschland ist das einzige Land, in dem der Begriff Schönspieler negativ besetzt ist. Dabei standen in den guten deutschen Mannschaften acht, neun Schönspieler.

Finke: Wir beschwören immer wieder die berühmten Tugenden: Seid stolz auf Kampfkraft, Disziplin, dann seid ihr als Turniermannschaft effektiv! Fangt nicht an zu zaubern, bitte, bitte, das könnt ihr nicht mit eurem deutschen Bewegungsapparat!