Zumindest einer Branche geht es im neuen Europa gut: den Geldfälschern. Nachdem sie die Anfangsschwierigkeiten durch die Euro-Umstellung überwunden haben, glänzen sie mittlerweile mit immer besseren Imitaten. Selbst Banken erkennen diese manchmal nicht mehr. In den vergangenen Monaten wurden in Deutschland rund 100 Fälle gemeldet, in denen das Falschgeld direkt aus dem Geldautomaten gekommen sein soll. Und die Europäische Zentralbank hat im vergangenen Jahr Blüten im Wert von über 26 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen, Tendenz stark steigend.

Zwar versichert die Bundesbank, bisher käme nur eine Fälschung auf 70000 echte Euro-Scheine. Doch das wäre nicht nötig, behaupten verschiedene Forscher, die mit neuen Vorschlägen für fälschungssichere Geldscheine aufwarten.

An der Universität Marburg zum Beispiel wurden Druckfarben entwickelt, die sich verändern, sobald sie hellem Licht ausgesetzt sind. Farbkopierer würden damit nur noch vergilbten Ausschuss produzieren, denn beim Kopieren werden die Vorlagen hell angeleuchtet. Ausgangsstoff für die Wechselfarbe ist das Enzym Bakeriorhodopsin, das bestimmte Bakterien zur Fotosynthese benutzen. Der Effekt übersteht einen millionenfachen Wechsel von Dunkelheit und Licht und geht auch nicht verloren, wenn der mit Rhodopsin bedruckte Geldschein in die 60-Grad-Wäsche gerät. Durch Beimischung spezieller Aminosäuren kann der Biofarbstoff zudem markiert werden. Wird er von einem Fälscher eingesetzt, lässt sich der Hersteller eindeutig ermitteln. Ob das alles auch in der Praxis funktioniert, wird jetzt an der Uni Marburg erprobt. Dort erhalten Absolventen neuerdings Examensurkunden, die mit Bakteriorhodopsin fälschungssicher gemacht wurden.

Von der Fachhochschule Mannheim kommt ein Verschlüsselungsverfahren, das auf einer Art unverwechselbarem Fingerabdruck des Geldes beruht – dem jeweiligen Muster, das die Fasern des bedruckten Baumwollpapiers bilden. Dieses wird bei der Herstellung gemessen und mit einem Geheimcode verschlüsselt. Die resultierende Kennzahl wird in der Ausrichtung der Rasterpunkte eines vorher festgelegten Bildausschnitts versteckt. Ein kleiner Handscanner kann die Nummer dort entdecken und mit einem öffentlichen Schlüssel auf Echtheit überprüfen. Die verwendete Kryptografie ist so gut wie bei heute üblichen EC-Karten, und die hat noch niemand entschlüsselt.

Aus Japan kommt der Vorschlag, Geldscheine mit einem sandkornkleinen Mikrochip auszustatten, auf dem ihr Wert, die Währung und die Seriennummer als Code abgespeichert sind. Auch ein derart präparierter Schein kann – wie die weit verbreitete Telefonkarte – mit einem Lesegerät auf Echtheit geprüft werden. Und er hat noch einen weiteren Vorteil: Der Mikrochip soll sich nämlich drahtlos aus bis zu 30 Zentimeter Entfernung lesen lassen. So wüsste die Kaufhauskasse jederzeit ihren Inhalt, das lästige Zählen nach Feierabend entfiele ersatzlos. Allerdings könnten Taschendiebe auf die gleiche Art feststellen, ob sie ein dankbares Opfer mit ein paar hundert Euro in der Tasche vor sich haben oder jemanden, der seinen Geldbeutel zu Hause gelassen hat. Und ganz billig sind die Mikrochips auch noch nicht. Die Kosten der Geldherstellung würden sich durch den elektronischen Schutz glatt verdoppeln.

Auch die anderen Maßnahmen gegen Falschgeld hätten ihren Preis. Das ist allerdings nicht der entscheidende Grund dafür, dass die Europäische Zentralbank alle Vorschläge für den fälschungssicheren Geldschein bisher abwiegelt. Die Zentralbanker können nämlich schon heute mit hundertprozentiger Sicherheit einen falschen Fünfziger von einem echten unterscheiden. Eine Hand voll Spezialisten kennt dort das so genannte M-Feature. Neben den bekannten Sicherheitsmerkmalen – Stichtiefdruck, Silberfaden, Wasserzeichen, Hologramm, Farbwechsel beim Kippen und so weiter – ist es in jedem Euro-Schein verborgen und lässt sich angeblich nicht automatisch kopieren oder auf Druckplatten übertragen. Jede Banknote landet im Durchschnitt alle drei Monate in einer Zentralbankfiliale. Dort gibt es Testgeräte, die nach dem geheimen M-Feature suchen und jede Banknote aussortieren, die es nicht hat. Den Kassiererinnen an Supermarktkassen und Bankschaltern nützt das allerdings nichts.

Dennoch heißt es bei der Europäischen Zentralbank, einen akuten Bedarf für die Einführung fälschungssicherer Geldscheine gebe es nicht. Die bisherigen Sicherheitsmerkmale seien ausreichend, noch nie hätten es Fälscher geschafft, alle gleichzeitig perfekt zu imitieren. Das Problem läge nicht in der Technik, sondern beim Menschen. Der guckt einfach nicht richtig hin und lässt sich zuweilen – und vor allem zu vorgerückter Stunde im angetrunkenen Zustand – selbst mit einer schlampig gefälschten Farbkopie abspeisen. Oder wie manche Testperson mit einem 1000-Euro-Schein. Der ist garantiert falsch, denn einen echten Tausender gibt es gar nicht.