Wegen der seit 2003 verschärften Bestimmungen für den Bezug von Arbeitslosenhilfe müssen immer mehr Bundesbürger ihre finanziellen Reserven angreifen. Das bekommen inzwischen auch die Lebensversicherer zu spüren.

Jüngste Zahlen zeigen, dass mehr und mehr Kunden gezwungen sind, ihre Beitragszahlungen auszusetzen oder sogar vor Ablauf ihres Vertrages die Police zu kündigen. Die Folge: Die Stornoraten wuchsen empfindlich. So betrug der Wert aller gekündigten Lebensversicherungs-Policen im vergangenen Jahr 12,4 Milliarden Euro - und lag damit um fast 35 Prozent höher als im Jahr zuvor (9,2 Milliarden Euro). Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) führt diesen Negativ-Trend unter anderem "auf die schlechte wirtschaftliche Lage" und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit zurück.

Menschen, die längere Zeit keinen neuen Job finden, sind gezwungen, zunächst ihr Erspartes - bis auf den Freibetrag - aufzuzehren, bevor sie auf Hilfe vom Staat hoffen können. Gestattet ist nur noch ein Vermögen von maximal 13 000 Euro. "Mit Blick auf die Lebensversicherung bedeutet das oft die Kündigung", sagt Stephan Gelhausen, der Sprecher des GdV. Gerhard Rupprecht, der Chef der Allianz Lebensversicherung, kritisiert, dass es keinen Sinn habe, die Sozialversicherung im Fall der Arbeitslosigkeit zu entlasten, wenn sie im Alter dann wieder einspringen müsse. "Diese Umschichtung verschärft langfristig sogar das Problem", mahnte Rupprecht jüngst im Handelsblatt. Wenn im kommenden Jahr Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum so genannten Alg II verschmelzen, verbleiben den Arbeitslosen nur wenig mehr Reserven: Dann gilt für Altersvorsorge und Geldvermögen jeweils ein Freibetrag von maximal 13 000 Euro.