Warum wirken die Leute auf dem Ökomarkt immer irgendwie kränklich-depressiv, während ein paar Ecken weiter die multikulturelle Kundschaft im Penny-Supermarkt zwischen Plastikkäse und Tiefkühlpizza ausgesprochen gute Laune und vitale Aggressivität zeigt? Das ist natürlich ein klitzekleiner Nebenwiderspruch in Berlin-Kreuzberg, wo bekanntlich die gesellschaftliche Mitte grün ist. Aber soll man ihn hinnehmen?

Vielleicht helfen die Überlegungen unserer Verbraucherschutzministerin Renate Künast weiter: "Wenn wir wirklich über Mittel zum Leben sprechen, fällt mir einiges ein, was nicht dazu gehört. Ich verbiete mir nicht das Nachdenken darüber, ob man dafür nicht eines Tages den vollen Steuersatz vorsehen sollte." Warum formuliert Künast bloß so defensiv, als halte sie diese Idee nicht für einen guten Wahlkampfschlager? Das könnte doch auch eine schöne "intelligente" Lösung sein. Wenn man schon an der Arbeitslosigkeit nichts ändern kann, dann ran an die Stellschraube Gesundheit.

Kein Arbeitsloser soll länger verurteilt werden, durch Frustfresserei zu verfetten. Machen wir das schlimme Penny-Grillgut teuer. Durch Steuern steuern, und zwar zum Guten und Gesunden! Warum warnt die Opposition gleich vor "Ernährungsdiktatur"? Ist es die Angst, dass der Berliner Politik ihre schweren Büfetts zu teuer werden? Schröders Currywurst mit doppeltem Mehrwertsteuersatz! Es geht doch um eine gesellschaftliche Vision, die auch den Politikalltag ändern wird. Das Privileg der gehobenen Mittelklasse auf gesunde Ernährung wird durchbrochen. Gesundkaufen durch Sparkaufen. Die fröhlichen Penny-Horden mischen den Ökomarkt auf. Frau Ministerin, wir warten auf den Referentenentwurf! Klaus Hartung