Zweitausend Euro für ein Abiturzeugnis, ein echtes noch dazu, da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Kein Wunder also, dass das Geschäft an 34 Privatschulen in Italien brummte. Seit die frühere Mitte-links-Regierung Privatschulen das Recht übertragen hatte, eigenständig Prüfungen abzunehmen, haben sie nach Polizeiangaben jährlich fünf Millionen Euro umgesetzt mit dem Schulabschluss auf Bestellung. Damit ist es vorbei. In landesweiten Razzien hat die Polizei kürzlich 23 Verdächtige festgenommen, 400 weitere wurden verhört. "Das ist erst die Spitze des Eisbergs", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Guido Papalia der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Das italienische Bildungsministerium in Rom war für wiederholte Nachfragen der ZEIT nicht erreichbar.

Koordiniert hat den Betrug nach Angaben des britischen Wirtschaftsmagazins Economist eine Firma, deren Name in sinngemäßer Übersetzung "Abitur – kein Problem!" lautet. Im Preis inbegriffen waren die zuverlässige Versorgung mit Musterlösungen und sogar Prüfungen, bei denen Durchfallen von vornherein ausgeschlossen war. Auch mit der Anwesenheitspflicht im Unterricht nahm man es nicht so genau. Eine Schule in Rom zum Beispiel hatte neben vierzig täglich anwesenden Schülern etwa tausend weitere, die sich nie blicken ließen. Auch an Italiens Universitäten gab es Vorwürfe gegen zwei Professoren, sie hätten gegen Geld und Sex bessere Noten verteilt. Einer der Professoren hat inzwischen Selbstmord begangen, der andere muss seiner Universität 120000 Euro Wiedergutmachung für den entstandenen Image-Schaden zahlen.

In Deutschland seien vergleichbare Fälle nicht denkbar, versichern die zuständigen Länderministerien einhellig. "Wir können unseren Lehrern einen Persilschein ausstellen", betont ein Sprecher im bayerischen Kultusministerium. Seine Kollegin in Rheinland-Pfalz verweist darauf, dass die Abiturprüfung hierzulande fest in staatlicher Hand sei und es immer einen Zweitkorrektor für alle Arbeiten gebe. "Da müsste man schon viele Leute bestechen." 2000 Euro zumindest sollten da nicht reichen.