Das neue Zauberwort für den Aufbau Ost lautet "Masterplan". Das klingt zunächst nach großer Strategie, ist aber bei näherem Hinsehen nichts anderes als staatlicher Dirigismus.

Bund und Länder sollen ihn erstellen, diesen Masterplan, kontinuierlich überarbeiten und eventuell revidieren. Ein Beauftragter Aufbau-Ost mit Kabinettsrang soll über seine Umsetzung wachen - in Zusammenarbeit mit Bundesregierung, Ministerpräsidenten, Tarifparteien, Wissenschaftsorganisationen, zudem beraten von einer Fachgruppe des Sachverständigenrats. Auch Bundestag und Länderparlamente sollen mitreden.

Und das Ganze findet statt im Rahmen einer Vereinbarung mit dem schönen Namen Aufbaupakt Ost.

Diese erstaunliche Idee propagiert der Gesprächskreis Ost der Bundesregierung, eine Gruppe von 16 Ost-Experten mit dem früheren Minister und Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi als treibende Kraft. Sie sollten keinen dicken Bericht vorlegen, sondern ein paar Ideen in die festgefahrene Debatte um die Rettung der daniederliegenden Wirtschaft in den neuen Bundesländern einbringen. Dabei wurde der Masterplan geboren, die neue Aufbaustrategie für Wachstumskerne. Schon im April, als ein halb fertiges Arbeitspapier an die Öffentlichkeit drang, gab Mitstreiter Edgar Most, ein ehemaliger DDR-Staatsbankier, die Richtung vor. Man solle den Bundesländern die Fördermittel wegnehmen, verriet er damals der ZEIT, sie in einen großen Topf tun und dann zentral auf der Grundlage des Masterplans verteilen.

Ein schöner Rat ist das! Fast 15 Jahre nach dem Fall der Mauer suchen Ost-Fachleute ihre Zuflucht in einem Apparat, dessen Schwerfälligkeit auf den ersten Blick offensichtlich ist. Vorgabe von Prioritäten, zentrale Zuteilung der Ausgaben, Bestimmung der Empfänger - das verströmt einen Duft von sozialistischer Lenkung. Bestenfalls entstünde eine Treuhandanstalt gehobener Art, wo doch die Arbeit der alten, längst aufgelösten Treuhand mit Kritik überschüttet wurde und heute für die Deindustrialisierung des deutschen Ostens verantwortlich gemacht wird.

Nein, für solche Ideen braucht die Bundesregierung keine Berater. Einige von ihnen waren übrigens genau dieser Meinung und gaben ihren Protest zu Protokoll. Merkwürdig ist auch, dass der Presse ein Papier vorgestellt wurde, über das die Mitglieder des Gesprächskreises noch gar nicht abschließend gesprochen hatten. Nicht kluge Ratgeber, sondern eitle Streithähne stehen jetzt vor der Öffentlichkeit, und die selbst ernannten Wortführer von Dohnanyi und Most werden als vorlaute Selbstdarsteller wahrgenommen.

Im Herbst müsse der Aufbaupakt Ost zustande kommen, fordert der Gesprächskreis kategorisch, "denn Deutschland braucht eine neue, von allen Schichten der Gesellschaft getragene Aufbruchstimmung". Doch mit so einem Pakt würde sich gar nichts bewegen.