Spektakuläre Spiele wie das Viertelfinale zwischen Portugal und England, überraschende Niederlagen wie die von Frankreich gegen Griechenland – Fußballfans kamen im Verlauf der Europameisterschaft voll auf ihre Kosten. Was ihnen meist nicht bewusst war: Bis zum Endspiel der Euro 2004 am kommenden Sonntag herrscht hinter den Kulissen höchste Alarmbereitschaft.

Spätestens mit den Anschlägen vom 11.März in der spanischen Hauptstadt Madrid kam der Terror al-Qaidas endgültig nach Europa, bis dahin hatten sie in randalierenden Hooligans die größte Gefahr gesehen. Entsprechend dramatisch verschärften die EM-Organisatoren und Behörden in Portugal ihre Sicherheitsvorkehrungen. Nun kreisen also Awacs-Aufklärungsflugzeuge der Nato gemeinsam mit der portugiesischen Luftwaffe fast ununterbrochen über den Stadien. Rund 150000 Liter Kerosin wurden allein in der ersten Woche verflogen, um die Spielstätten gegen mögliche Terrorakte aus der Luft zu schützen, auch wenn selbst das keine absolute Sicherheit für Zuschauer, Spieler und die mehr als 8000 Helfer garantiert.

Vorbei die Zeiten, in denen einstürzende Tribünen oder eine Massenpanik als größtmögliche Katastrophen bei einer Sportveranstaltung erschienen. Und mit der Bedrohung haben auch die finanziellen Risiken eine Dimension erreicht, die frühere Schadensszenarien der großen Versicherungsgesellschaften weit übertreffen.

Tragische Ereignisse gab es in der Vergangenheit zwar genug (siehe Kasten). Doch erst die Gefahr gezielter Terroranschläge etwa durch islamistische Selbstmordattentäter lässt die Möglichkeit realistisch erscheinen, dass Großveranstaltungen wie eine Fußballweltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele abgebrochen oder abgesagt werden könnten. Veranstaltern fällt es daher zunehmend schwer, eine so genannte Ausfallversicherung abzuschließen und sich so zum Beispiel für den Fall abzusichern, das Geld für bereits bezahlte Eintrittskarten zurückgeben zu müssen. Der Grund: Die Versicherer befürchten beim Komplettausfall eines sportlichen Großevents Kosten von mehreren hundert Millionen Euro.

Dass Terrorgefahren sich aus heutiger Sicht der versicherungstechnischen Kalkulation entziehen, haben die Anschläge auf das World Trade Center 2001 nur zu deutlich gezeigt. Allein die Summe der versicherten Schäden belief sich damals auf rund 50 Milliarden US-Dollar. "Niemand von uns hätte es für möglich gehalten, dass ein einziges Schadensereignis solche Ausmaße annehmen kann", sagt Jürgen Görling, Leiter der Hamburg-Mannheimer Sports. Auf die neue Situation reagierten die Versicherer rasch. Schon am Tag nach dem Attentat wurde die Terrorgefahr in den Ausfalldeckungen für Großveranstaltungen erst einmal als unversicherbar eingestuft.

Die neue Einschätzung bekam der internationale Fußballverband Fifa unmittelbar zu spüren. Längst hatten die Funktionäre für die Fußballweltmeisterschaft 2002 in Japan und Korea eine Versicherungssumme von 850 Millionen Euro vereinbart. Diesen Betrag hätte der französische Versicherungsriese Axa bei einem Totalausfall der WM an die Fifa zahlen müssen. Doch die Axa kündigte den Vertrag. Selbst eine gerichtliche Auseinandersetzung, die auf ihre Entscheidung folgte, nahm sie in Kauf, und nur mit Mühe gelang es dem Weltfußballverband Fifa damals, sich auf dem internationalen Rückversicherungsmarkt einen neuen Deckungsschutz zu besorgen.

Die Axa zog sich ein Jahr später sogar komplett aus dem Geschäft mit Sportevents zurück: "Ein Grund für die Entscheidung, das Geschäft mit reinen Sport- und Entertainmentversicherungen einzustellen, ist unter anderem die Volatilität des Sport- und Entertainment-Segments", teilte der Konzern im September 2002 lapidar mit.

Die neue Vorsicht der Versicherungswirtschaft trifft die Organisatoren von Großveranstaltungen auch heute noch. Zwar wird das Terrorrisiko auf Wunsch durchaus wieder in die Ausfalldeckungen eingeschlossen. Das aber kostet Geld. Statt den lange Zeit üblichen bis zu drei Prozent der Versicherungssumme "machen wir die Erfahrung, dass die Preise nach Anschlägen bis zum Dreifachen ansteigen oder das Risiko gar nicht mehr angenommen wird", sagt Kai Bockelmann, Spezialist für Großveranstaltungen bei der Maklerfirma Aon Jauch&Hübener.