Sie hatte viele Hoffnungen geweckt – und nur wenige davon erfüllt. Megawati Sukarnoputri, seit 2001 Staatspräsidentin von Indonesien, dem mit 220 Millionen Einwohnern viertgrößten Land der Erde, wird dafür bei den Präsidentschaftswahlen am 5. Juli die Quittung bekommen.

In den drei Jahren ihrer Amtszeit vermittelte sie vor allem eines: dass Regieren für sie eine lästige Pflicht ist, der sie sich gern entzieht. Leidenschaft zeigte die Präsidentin weniger für Handeln und politische Konzepte als vielmehr für Gartenarbeit, Einkaufsbummel und Mittagsschläfchen. Wofür die 57 Jahre alte Präsidentin politisch steht, ist schwer zu sagen, weil sie meistens schweigt. Reden hält sie ebenso selten, wie sie Interviews gewährt. Klar ist nur, dass sie vor allem das Erbe ihres Vaters pflegt, des noch heute verehrten Staatsgründers Sukarno. Deshalb liegt Megawati die territoriale Einheit Indonesiens am Herzen.

Doch reicht das nicht, die gewaltigen Probleme des Landes zu lösen: Der Schuldendienst verzehrt fast die Hälfte des Staatshaushalts, die Preise steigen, 40 Millionen Menschen sind ohne Arbeit, Korruption ist noch immer die Regel, Investoren aus dem Ausland bleiben fern. Obwohl sich in der Amtszeit Megawatis die indonesische Rupie nach der Asienkrise von 1997/98 stabilisiert hat, entwickeln schon viele nostalgische Gefühle für die Zeit des autoritären Staatschefs Suharto und glauben, dass es ihnen damals besser gegangen sei. Vergessen scheint, dass Suharto während seiner drei Jahrzehnte dauernden Herrschaft politische Gegner rücksichtslos unterdrückte, Wahlen fälschte und die Presse knebelte.

Neben der wirtschaftlichen Misere hat Indonesien mit radikalen Islamisten zu kämpfen. Denen gegenüber verhielt sich die Regierung Megawati in typischer Weise: passiv und zögerlich. Lange redete sie Mahnungen aus dem Ausland klein. "Indonesien hat kein Terrorismusproblem", hieß es. Erst nach den Bombenanschlägen auf Bali im Oktober 2002 unterschrieb Megawati einen Anti-Terror-Erlass.

In die Politik ging die Sukarno-Tochter erst spät. Zurückgezogen kümmerte sie sich um ihre Familie. 1987 kandidierte sie für das Parlament – mit Erfolg, vor allem wegen ihres Namens. Sie wurde zur Führerin der Demokratischen Partei, und in den Augen Suhartos eine Gefahr für seine Macht. 1996 versuchte er, sie mit rüden Methoden abzusetzen. Megawati wurde schlagartig zur Galionsfigur des Widerstandes gegen Suharto. "Mega, Mega!", war einer der Schlachtrufe der Volksbewegung, die Suharto 1998 stürzte. Doch dieser Mega-Bonus scheint nun aufgezehrt. Bei den Parlamentswahlen im April musste ihre Partei herbe Verluste einstecken.

Von ihrer Schwäche profitieren Megawatis Konkurrenten bei den ersten direkten Präsidentschaftswahlen. Fünf Kandidaten haben sich insgesamt zur Wahl gestellt, ihre Programme ähneln einander. Alle haben der Armut den Kampf angesagt, alle wollen neue Arbeitsplätze schaffen und – Wahlkampfthema Nummer eins – die Korruption bekämpfen. Wie sie das umsetzen wollen, bleibt vage. Wichtiger als ein Wahlprogramm ist das Image der Kandidaten.

Erreicht am 5. Juli keiner der fünf Konkurrenten 50 Prozent der Stimmen – was wahrscheinlich ist –, kommt es im September zur Stichwahl. Jüngsten Umfragen zufolge marschiert allerdings einer der Kandidaten allen anderen davon und stramm auf immerhin 40 Prozent zu – Megawatis ehemaliger Sicherheitsminister, der Ex-Vier-Sterne-General Susilo Bambang Yudhoyono. Wenige Monate vor den Parlamentswahlen verließ er das Kabinett Megawati, gründete seine eigene Partei und erzielte aus dem Stand 10 Prozent. Yudhoyono zeigt gern seine weiße Weste hervor: Er gilt als unbestechlich.

SBY, wie ihn seine Anhänger nennen, verkörpert die Sehnsucht nach der starken Hand, die sich unter vielen Indonesiern breit gemacht hat. Der Exgeneral verkauft sich als Garant für Stabilität und innere Sicherheit, verspricht eine starke Führung, versichert aber gleichzeitig, dass ihm die Demokratie am Herzen liege.