Tismer : Das stimmt, aber das macht mir natürlich Angst. Ich habe Lebensneugier, aber die Angst ist größer. Auch im Theater übrigens, wenn man ein neues Stück anfängt und ich noch nicht weiß, was ich machen muss. Das ist dann so ähnlich wie im Leben. Der Unterschied ist, dass ich über mein Bühnenleben zwei Monate später alles wissen werde. Und außerdem ist ja unten immer einer da, der begleitet und alles kontrolliert: der Regisseur.

ZEIT : Sie haben mit Regisseuren der unterschiedlichsten Temperamente zusammengearbeitet, Peter Stein, Jürgen Kruse, Luc Bondy, Matthias Hartmann, Calixto Bieito, Dieter Giesing. Und Sie haben bei jedem Ihre Eigenart behauptet. Sie wirken, als seien Sie im Kern ihres Spiels nicht kontrollierbar.

Tismer : Es geht um die Bewegungsabläufe. Die gibt der Regisseur vor. Der innerste Kern der Figur gehört mir.

ZEIT : Gibt es Spieler, die mit Ihnen nicht zurechtkommen? Leute, die erschrecken vor der Besessenheit, mit der Sie proben?

Tismer : Es gibt schon Kollegen, für die das problematisch ist. Manche denken auch, ich will nicht mit ihnen spielen – weil ich erst mal die Abläufe kennen lernen muss, bevor ich mich auf Partner einlasse.

ZEIT : Sie gehen auf der Bühne mit Ihrer Erotik um wie mit einem Anlass zur Komik – als sei das etwas, das einem peinlich ist und das man deshalb ausstellt, dem Spott aussetzt.

Tismer : Das geschieht unfreiwillig. Ich will schon erotisch sein. Aber wahrscheinlich klappt’s nicht.