Präsident Pervez Musharraf wirbt in Zeitungsanzeigen für seine Vision eines "aufgeklärten Pakistans": "Nur Bildung kann das Schicksal unserer Nation ändern." Dass die Förderung von Frauen, zu zwei Dritteln Analphabeten, eine Schlüsselfrage für die Zukunft des Landes ist, scheint dem General bewusst zu sein; auch wird seiner Frau Sehba Einfluss in dieser Richtung nachgesagt.

Weil Musharrafs Regierung eine Frauenquote auf lokaler Ebene einführte, gestehen ihm manche zu, er habe für Pakistans Frauen bisher mehr getan als die einstige Premierministerin Benazir Bhutto in ihren zwei Amtsperioden von 1988 bis 1990 und von 1993 bis 1996. Bhutto regierte als erste Frau der Welt ein islamisches Land, enttäuschte aber Erwartungen, sie werde das feudal strukturierte Pakistan reformieren.

General Musharraf hat sich auch des Reizthemas "Ehrenmorde" angenommen, denen pro Jahr nach Schätzungen bis zu 1000 Menschen zum Opfer fallen – in der Mehrzahl Frauen, die bezichtigt werden, die Familienehre befleckt zu haben. Nach pakistanischem Gesetz gelten solche Taten als vorsätzlicher Mord und können mit Todesstrafe geahndet werden, dennoch kommen viele Täter ungestraft davon. Um deren soziale Akzeptanz zu durchbrechen, will Musharraf die "Ehrenmorde" noch einmal ausdrücklich mit einem neuen Paragrafen im Strafrecht verbieten. Ähnliches fordert eine Gruppe von Parlamentariern. Persönlich setzte sich der Präsident für die Rettung einer Frau ein, die wegen einer Liebesheirat von ihrem Stamm verfolgt wurde.

Dennoch kritisiert die pakistanische Menschenrechtskommission, der General lasse seinen schönen Reden keine Taten folgen. Denn Musharraf zaudert in einer Frage, die für die Stellung der Frau in Pakistan ganz entscheidend ist: die Revision islamischer Strafvorschriften, die vor 25 Jahren parallel zum gemeinhin geltenden säkularen Recht eingeführt wurden und Frauen sehr stark benachteiligen. Musharraf hatte vor zwei Jahren versprochen, diese so genannten Hudood-Verordnungen zu revidieren.

Mittlerweile formuliert er vorsichtiger. Die Verordnungen, sagt er jetzt nur noch, sollten von Experten "überprüft" werden. Genau dies ist durch eine angesehene Kommission längst geschehen. Musharrafs Kritiker erklären sein Zaudern damit, dass er zu viel innenpolitische Rücksicht auf die religiösen Parteien nehme – und die haben die frauenfeindlichen Verordnungen zum "göttlichen Gesetz" erklärt, das als unantastbar gilt.

Mutahidda Majlis-e-Amal, die Allianz dieser Ultrareligiösen, umfasst sechs Parteien, die im Parlament und im Senat stark vertreten sind und zur Opposition zählen. Zugleich regieren sie aber zwei der vier Provinzen Pakistans, quasi die westliche Hälfte des Landes. Einen starken Aufschwung erlebten die religiösen Parteien erst, nachdem sich General Musharraf im September 2001 dem von Amerika geführten "Krieg gegen Terror" anschloss. Seit dem Irak-Krieg ist die Kritik an der Allianz mit den USA aber auch unter jenen gebildeten, toleranten Pakistanis weit verbreitet, die religiösen Fanatismus ablehnen und als Bedrohung des eigenen Lebensstils empfinden. Zwischen diesen beiden Fronten muss sich Musharraf nun behaupten.

Vollends unübersichtlich ist die Lage in den autonomen Stammesgebieten entlang der Grenze zu Afghanistan, etwa in der Wana-Region, wo ausländische Religionskämpfer oder auch Terroristen durch traditionelles Gastrecht geschützt sind. Diese Gebiete sind dem Zugriff Islamabads weitgehend entzogen, Gesetze haben keine Geltung.

In Karatschi und Lahore protestieren Anhänger der religiösen Parteien nahezu täglich gegen die US-Politik. Plakate gegen den amerikanischen Präsidenten hängen auch in vielen Büros von Frauen- und Menschenrechtsorganisationen. Genau diese reformfreudigen und an Demokratie interessierten Teile der Gesellschaft werden von den religiösen Parteien als verwestlicht denunziert, um ihre politischen Anliegen in Misskredit zu bringen.