Der Traum hob mich ganz nach oben, auf einen gewaltigen Stein. Unter mir das kleine Paradies mit Namen Pamukkale: Wassertreppen in einem Minigebirge, zu finden im Görlitzer Park in Kreuzberg. Kinder mit Köpfen so rund wie auf den glücklichen Breughel-Bildern wuseln umher. Sie rutschen und kriechen und springen und planschen in hellen Becken, und die Mütter sitzen dabei und stricken und wickeln und lachen und schwatzen und stecken die Füße ins Wasser.

Sie tragen bunte Röcke, die Sonne brennt, eine Krähe zetert, und ich sitze da oben, über den Dächern von Berlin, und schaue und lausche. Düfte steigen zu mir hoch, herrliche türkische Düfte, Majoran und Thymian. Und ich rieche Currywurst. Ich höre Musik, byzantinische Klänge wie von weit her und doch ganz nah. Plötzlich klingt es wie: "Das ist die Berliner Luft! Luft! Luft!"

Viele kleine Männer in schwarzen Mänteln und schwarzen Aktentaschen stürmen über die steinernen Stufen, stellen das Wasser ab, betasten die geschwungenen Becken, drehen jedes Steinchen um, machen Notizen in schwarze Hefte, überschütten alles mit schwarzem Asphalt, ziehen spitze Zäune ringsherum und rücken wieder ab.

"Ihr Großprotze!", ruft die alte Aase.

Und ich stelle mich auf die Spitze des gewaltigen Felsens, der manchmal ausschaut wie der Nikolaus aus Max und Moritz , der die bösen Buben in das Tintenfass taucht, damit sie so schwarz werden wie der Mohr, den sie verhöhnen und verspotten – und rufe mein Lieblingsgedicht von Else Lasker-Schüler über den ganzen Görlitzer Park in Kreuzberg:

Ich kann die Sprache
Dieses kühlen Landes nicht,
Und seinen Schritt nicht gehen.

Auch die Wolken, die vorbeiziehen,
Weiß ich nicht zu deuten.
Immer muss ich an die Pharaonenwälder denken
Und küsse die Bilder meiner Sterne.

Meine Lippen leuchten schon
Und sprechen Fernes,