Auch wenn sie sich mühten – wettbewerbsfähig als Strahlemänner waren Otto Schily und Edmund Stoiber nicht. Ein Dieter-Bohlen-Grinsen bekamen sie nicht annähernd so hin wie Jeffrey Immelt. Die Botschaft, die der Chef des amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE) kürzlich bei der Eröffnung seines neuen Forschungszentrums in Garching bei München ablieferte, war aber auch unschlagbar positiv: "Deutschland liegt jetzt im Zentrum des künftigen Europas. Deshalb sind wir mit unserer Investition von 52 Millionen Dollar hierher gegangen. Und das war ein erster Schritt, es wird nicht der letzte sein." Da konnten sich die heimischen Führungskräfte nur pflichtschuldig anschließen. "Deutschland ist als Technikstandort besser als sein Ruf", erklärte Schily. Und Stoiber rühmte "Bayerns mutige und vorausschauende Forschungspolitik".

Es war eine rare Gelegenheit zum Feiern am krisengeschüttelten Standort. Eher, als dass hierzulande Investitionen aus dem Ausland zu bejubeln wären, ist man Klagen gewöhnt – über Jobs, die ins Ausland abwandern, über hohe Lohnkosten, hohe Steuern, Gewerkschaften, Bürokraten und Paragrafenreiter, die Investoren schrecken. Aber ausgerechnet aus Amerika kommt die Ermutigung. Manager amerikanischer Tochterunternehmen in Deutschland äußern sich wohlmeinend über den bei den eigenen Leuten so schlecht beleumundeten Standort mitten im alten Europa.

General Electric ist nur der jüngste und auffälligste Wiederentdecker vergessener Qualitäten. Der Mikrochip-Hersteller AMD zum Beispiel hat in Dresden von 1997 bis zum vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Dollar in ein neues Werk investiert und schon den Grundstein für eine weitere Fabrik gelegt, die bis 2007 rund 2,5 Milliarden Dollar kosten soll. Die bundeseigene Marketinggesellschaft Invest in Germany in Berlin listet für die vergangenen zwölf Monate 17 größere Engagements von US-Firmen in Deutschland mit Investitionssummen von bis zu 3,1 Milliarden Euro auf.

Aber nicht nur Großunternehmen, auch Manager kleinerer US-Töchter und von Amerikanern aufgekaufter urdeutscher Gründungen lassen sich lobend über Deutschland vernehmen. Das brachte ausgerechnet Fred B. Irwin, der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Frankfurt, ans Licht, der sonst durch harsche Einmischung in die inneren wirtschaftlichen Angelegenheiten Deutschlands auffällt. Die Kammer veröffentlichte im Frühjahr eine Studie der Boston Consulting Group (BCG), die 100 Unternehmen von Abbot bis Xerox befragt hatte. Ergebnis: Deutschland stand in Europa auf Platz eins, wenn es um die Ansiedlung von Holding-Gesellschaften ging. Und selbst, wenn es sich um handfeste Produktion handelte, rangiert das Land noch an dritter Stelle nach Europas zusammengefasstem Osten und Großbritannien.

Die Manager rechneten in ihren Firmen für das Jahr 2004 mit wachsenden Umsätzen und steigenden Investitionen – bei allerdings immer noch leicht sinkenden Mitarbeiterzahlen. Dieter Heuskel, Senior Vice President von BCG, interpretiert das so: "Die Beschäftigung hinkt dem Umsatz stets hinterher. Das kann sich also noch fangen." Der Ruf des Standorts D sei in Amerika jedenfalls deutlich besser als daheim: "Wenn Deutschland eine Aktie wäre, würden amerikanische Analysten sie derzeit auf ›Kaufen‹ stellen."

Heuskel steuert eine interessante Randbeobachtung bei, die ein Licht auf die neue Attraktivität hiesiger Unternehmen für US-Manager wirft: "Corporate Germany hat sich in jüngster Zeit einfach stark amerikanisiert – nicht nur im Vokabular auf den Chefetagen. Auch Managementmethoden, Organisation und Rechnungslegung folgen amerikanischen Mustern."

Doch auch harte ökonomische Fakten locken die US-Investoren nach Deutschland.