Der Prince of Wales, Duke of Cornwall, Lord of the Isles, Great Steward of Scotland et cetera erhielt jüngst einen ärztlichen Rüffel. "Sie sind möglicherweise etwas zu weit gegangen", monierte der emeritierte Londoner Krebsexperte Michael Baum. Diese britische Variante eines cholerischen Anfalls löste Charles Philip Arthur George aus, indem er einmal mehr seine Meinung in wissenschaftlichen Dingen äußerte.

Der Prinz hatte sich öffentlich beeindruckt gezeigt über den Bericht einer todgeweihten Frau, die ihren Krebs angeblich durch Karottensaft und Darm-Einläufe mit Kaffee besiegt hatte. Das war Michael Baum zu viel. Er legte 40 Jahre Erfahrung in die Waagschale und griff den Fan der Alternativmedizin frontal an: "Ich möchte Sie bitten, Ihre Macht nur mit extremer Vorsicht einzusetzen, besonders, wenn Sie Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen ungeprüfte Therapien empfehlen." Flugs ließ ein Sprecher des Prinzen die Äußerungen relativieren: "Der Prince of Wales zieht keineswegs den Einsatz alternativer Medizin einer orthodoxen Behandlung vor."

War Lady Diana die Königin der Herzen, dann ist Prinz Charles der König der Wissenschaftsskeptiker. Darunter ächzen die Forscher auf der Insel seit Jahren. Bisher war es vor allem seine Abneigung gegen die grüne Gentechnik, die den Biotechnikern das Leben schwer machte. Jüngst bedachte er auch die Nanotechnologen mit einem Seitenhieb. In einer Rede zitierte er einen Cambridge-Professor, der die möglichen Gefahren der Nanotechnologie mit dem Contergan-Desaster in Verbindung brachte.

Beim Volk stoßen solch königliche Wissenschaftsexpertisen auf offene Ohren. Die Fachwelt dagegen reagiert meist mit blankem Entsetzen. Dieses gilt es dann mit möglichst höflichen Floskeln etikettengerecht zu verpacken. Die Ansichten von Prinz Charles zur Nanotechnologie seien zu begrüßen, schrieb die Royal Society in einer Pressemitteilung - und fügte bescheiden hinzu, es sei doch schwierig, einen direkten Vergleich herzustellen zwischen Thalidomid (dem Wirkstoff in Contergan) und der Nanotechnik, die nun mal kein Medikament sei. Im Klartext bedeuten diese Phrasen nichts anderes als: "Lieber Prinz, du hast keinen Schimmer."

Aber so etwas würde die Forschungsgesellschaft mit dem Etikett "Royal" im Namen nie sagen. Dafür empfahl sie in Richtung Buckingham: "Wir stimmen mit dem Prinzen überein, dass Forscher, Industrielle und Politiker verantwortlich dafür sind, dass nicht erneut eine verwirrende, polarisierende Debatte wie um die grüne Gentechnik entsteht."

Ja, um solche Staatsoberhäupter muss man das britische Königreich nicht beneiden. Als Horst Köhler ins Amt des Bundespräsidenten berufen wurde, klagten viele, dass er nur ein Wirtschaftsfachmann sei. Immerhin versteht das Oberhaupt etwas von Wirtschaft.