Der Literaturkritiker Heinrich Vormweg, der jetzt im Alter von 76 Jahren gestorben ist, war politisch ein Linker und ästhetisch ein Avantgardist - woran man erkennen kann, wie lange es her ist, dass Vormweg eine zentrale Figur der deutschen Literaturkritik war, damals in den Sechzigern, Siebzigern, als das Linke und das Avantgardistische noch eine Rolle spielten. Er schrieb jahrzehntelang für die Süddeutsche Zeitung und machte Hörfunk für den WDR. Er war kein Urteilskritiker oder Effektschreiber, sondern er versuchte, die Texte aus ihrer eigenen Logik zu verstehen und verständlich zu machen, ein Mann also, dem die Literatur viel verdankt, und auch die Kritik.

Beides hat er gebührend ernst genommen, und dieser Haltung wegen sollte man ihn nicht vergessen.