Wird 2004 Frankreichs "Kristalljahr", wie der Philosoph Alain Finkielkraut befürchtet? Schürt das Kopftuchverbot im Land des Laizismus eine neue religiöse Illiberalität, auf die marginalisierte Muslime mit Judeophobie reagieren? Dreimal erlebte Frankreich seit 2003, dass aus berechtigter Empörung über Gewaltverbrechen die Schuldzuweisungen vorschnell oder falsch waren: Erst wurde ein Rabbiner in Paris vor seiner Synagoge niedergestochen, dann fiel ein jüdischer Schüler in Epinay-sur-Seine einem Messerstecher zum Opfer. Und auch nach dem jüngsten Überfall in der Pariser Regionalbahn, als sich eine junge Mutter mit herausgerissenen Haaren und auf den Leib geschmierten Hakenkreuzen bei der Polizei meldete, schien es eindeutig, dass die Täter muslimische Immigranten mit antisemitischen Motiven waren.