Straußendämmerung wabert durch die Zeitungsrepublik. Geschult, wie Haruspexe und Auguren das Sinnhafte aus dem scheinbar Sinnlosen herauszulesen und dies dann mit einer schaurigen, wenn auch kompakten Moral zu versehen, hat die journalistische Bayern Watch den Fall des Hauses Usher in die Münchner Vororte verlegt. Siehe, raunt es wie bei Edgar Allan Poe: Erst wird Strauß der Jüngere wegen Steuerhinterziehung verurteilt, dann Tochter Strauß vom halbhohen Sockel des Münchner CSU-Vorsitzes gestoßen. Man zählt eins und eins zusammen, subtrahiert die Summe vom Mythos Strauß, und es bleibt nix mehr - de nada, niente. Es fällt der Vorhang, geordnet ist wieder die Zeit - und nicht mehr aus den Fugen.

Bloß fiel der Vorhang schon vor 16 Jahren, als der Stammvater bei der Jagd dahinschied. Dessen weiland treuer Majordomus, der Stoiber Edi, demontierte das System Strauß mit feiner Hand und kaltem Blick. Der Streibl Max (fünf Jahre lang Ministerpräsident) musste gehen, dann traf es die jüngeren Größen wie den Tandler Gero und den Schwarzen Peter (Gauweiler). Nur die Monika, verh. Hohlmeier, durfte bleiben - als nützliche, aber ungefährliche Namensträgerin, fehlte ihr doch, was den Vater zur lebenden Legende gemacht hatte: die Schläue, der Herrschaftstrieb, das Patronage-Netzwerk, die Verquickung von Macht und Geld, in der das eine das andere mehrte.

Wenn es eine Moral gibt, dann ist es ein Hoch auf die Ochsentour. Monika Hohlmeier fiel vom Sockel, weil Stoiber sie an anderen vorbeigehievt hatte.

Hätte sie zäh und langsam das politische Handwerk gelernt, wären ihr nicht jene Anfängerfehler unterlaufen, die sie den Vorsitz gekostet haben. Oder sie hätte sich Seilschaften geschaffen, die sie in der Not vor dem Absturz bewahrt hätten. Die deutsche Politik, schon gar nicht die klein-kleine Münchens, goutiert keine Seiteneinsteiger. Auch nicht, wenn sie Strauß heißen.