Den Pinguinen geht es besser, als viele Untersuchungen der vergangenen Jahre vermuten ließen. Dafür haben die Pinguinforscher allen Grund, sich zu grämen. Den von ihnen beobachteten Rückgang einiger Populationen der Flossenvögel haben sie nämlich selbst verursacht. Und zwar mit den Markierungsbändern aus Edelstahl oder Plastik, die den Wissenschaftlern einen Einblick in das Pinguinleben von der Geburt bis zum Tod ermöglichen sollten. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die französische Biologen 50 Pinguine mit und 50 ohne Band über vier Brutperioden auf einer Insel des 2000 Kilometer vor der Antarktis-Küste gelegenen Crozet-Archipels beobachtet haben.

Die Pinguine ohne Markierungsband kamen einige Tage früher am Brutort an und brachten doppelt so viele Junge zur Welt wie die gekennzeichneten Tiere. Die Bänder behindern sie nämlich beim Schwimmen. Weil Pinguine sich aufgrund ihrer kurzen Beine nicht wie andere Vögel beringen lassen, muss die Markierung an einem der zur Flosse mutierten Flügel befestigt werden. Das erhöht den Widerstand im Wasser, schränkt die Manövrierfähigkeit ein und führt so zu einem erhöhten Energieverbrauch beim Schwimmen und Tauchen. Die Tiere können nicht mehr genug Nahrung für ihren Nachwuchs herbeischaffen, und die Jungen, die überleben, haben eine wesentlich verringerte Lebenserwartung. Mit der globalen Klimaveränderung hat all das – anders als von vielen Wissenschaftlern vermutet – nichts zu tun. Der Rückschluss von den gekennzeichneten auf alle Pinguine war ein Trugschluss.

"Schlimm ist, dass die Markierungen schon seit den neunziger Jahren im Verdacht standen, den Pinguinen zu schaden", sagt Michel Gauthier-Clerc, einer der Autoren der Studie. Trotzdem wurden allein in den vergangenen zehn Jahren über 40000 Pinguine mit einem Band gekennzeichnet. Bei Beobachtungen im Sommer – wenn sich die Forscher am Südpolarmeer treffen – ist die Behinderung nämlich kaum festzustellen. Auf ihren Reisen ins Winterquartier müssen die Tiere aber bis zu 3500 Kilometer weit schwimmen und dabei auch noch tiefer nach Futter tauchen als im Sommer. Bei diesen Anstrengungen beobachtet sie aber kein Forscher.

Als Alternative zu den Bändern schlagen Gauthier-Clerc und seine Kollegen Transponder vor, winzige Chips, die unter die Beinhaut gepflanzt werden. Sie wiegen kaum ein Gramm, brauchen keine Batterie und können berührungslos mit versteckten Antennen an den Pinguinpfaden erkannt werden. Die französischen Forscher haben bereits solche Transponder eingesetzt, um die Tiere der beiden Untersuchungsgruppen unabhängig von den Bändern zu erkennen. "Nach allem, was wir wissen, sind Transponder für die Tiere völlig unschädlich", sagt Gauthier-Clerc.

Während die Geschichte von der Erderwärmung und dem vermeintlichen Pinguinsterben in großen Zeitschriften wie Science und Nature für Furore sorgte, wurde die französische Studie bisher nur in einem Internet-Fachmagazin veröffentlicht. Unter den Antarktisforschern, die sich in dieser Woche zu ihrer Weltkonferenz in Bremen treffen, hat sich die schlechte Nachricht trotzdem schnell herumgesprochen. Schließlich ist sie nicht nur peinlich, sondern bedeutet auch neue Arbeit. Die Biologen müssen nun herausfinden, wie es den Pinguinen wirklich geht.